Immer wieder Klima: Wie die beiden Seiten sich immer weiter entfernen

Man kann sich als Konsument von Print- oder Internetjournalismus (ich empfehle dringend ZEIT-online) täglich mit neuen Fakten und Perspektiven rund um die Klimafrage versorgen. Manche tun das auch. Das führt dazu, dass diese Gruppe der Interessierten und Besorgten nicht nur über immer mehr Informationen verfügt, sondern inzwischen auch all die emotionalen und psychologische Mechanismen kennt, die Menschen (übrigens auch sie selbst) davon abhalten, die volle Dramatik an sich heranzulassen und (noch) konsequenter zu handeln.

Dieser Gruppe, der auch noch laufend ganz aktuelle Entwicklungen und Befunde weitere Gewissheit verschaffen, steht eine buntgemischte Gruppe von Skeptikern, Verharmlosern, Leugnern und Ignoranten gegenüber. Dieser Seite des Spektrums bleibt allerdings nicht viel mehr, als sich in der Position einzugraben – inhaltliche Verstärkung durch Fakten will einfach nicht kommen…

Was können sie tun? Nun, man könnte den Klima-Mahnern ja einfach immer wieder vorwerfen, dass sie die bessere Moral für sich reklamieren würden. Damit hat man sie ja offensichtlich als arrogant entlarvt und ins Abseits gedrängt.
Was für ein Unsinn! Warum und wie sollte man die Moral ausgerechnet aus Themen heraushalten, bei denen es um die Zukunft der Menschheit, zumindestens aber um Klima- und Generationengerechtigkeit geht?! Was – bitte – wäre denn moralisch relevanter?
Ja, die Klimaschützer haben die Moral auf ihrer Seite! So (schockierend) einfach ist das!
(Und wer dagegen rechnet, dass die Verteuerung bestimmter Produkte oder Aktivitäten ja sozial unausgewogen sei, der hat einfach die Dimension der Problematik noch nicht erkannt. Sorry.)

Spannend ist auch, mit welchem Engagement sich auf einmal Menschen, denen der Schadstoffausstoß ihres SUV bisher ziemlich schnuppe war, über die (tatsächlich noch vorhandenen) Schwachpunkte der Elektro-Mobilität informieren. Und wie gut diejenigen, die sonst an Wissenschaft erstmal zweifeln, die Zahlen kennen, die den potentiellen eigenen (deutschen, europäischen) Beitrag zur CO2-Reduktion – bezogen auf die globalen Verhältnisse – so eindrucksvoll relativieren.
Die Sorge um die Privilegien des eigenen klimaschädlichen Lebensstils motiviert schon ein wenig…

Zurück zum Grundgedanken. Kann man verhindern, dass die beiden skizzierten Gruppen immer weiter auseinander driften und damit vielleicht mittelfristig auch ein gefährlicher gesellschaftlicher Spannungsbogen entsteht?

Es geht wohl nur so, dass alle Kanäle genutzt werden, Informationen und Entscheidungsnotwendigkeiten so zu vermitteln, dass sie verstanden und angenommen werden können. Die Bild-Zeitung muss ran, die Familien-Shows im Fernsehen, die Nachrichtensendungen bei den Privaten.
Die Kinder und Jugendlichen tun schon ihr Bestes – allerdings wohl meistens in schon vor-aufgeklärten Familien.
Und eigentlich sollten Viel-Leser wie ich lieber in die Fußgängerzonen gehen und zusammen mit den Aktivisten andere Menschen überzeugen – statt jeden Tag die eigene Gewissheit durch intellektuell brillante Analysen noch zu vertiefen. Vielleicht kommt das ja auch noch…

Vermutlich kommt vor der Fußgängerzone das Nahumfeld. Ich lasse seit einigen Monaten keine (!) Gesprächssituation ungenutzt, viele andere tun das auch. Wir brauchen das nicht den Kids zu überlassen!

Bleibt die Frage: Wann wird es zuviel? Was ist mit Übersättigung und Reaktanz? Mit Gewöhnung und Langeweile?
Vielleicht kommt dann die Stunde der guten Beispiele, der erfolgreichen Experimente, der schon funktionierenden Modelle.

Aber wie schützt man sich gegen Frust und Resignation, wenn woanders auf diesem Planeten Dinge passieren oder entschieden werden, deren Auswirkungen die eigenen Bemühungen millionenfach übersteigen?
Nun, es ist schlichtweg – und hier passt der vielgeschmähte Begriff – alternativlos, sich weiter zu bemühen. Um eigene Konsequenz, um politische Einflussnahme, um moralischen Druck der Weltöffentlichkeit.
Nicht jede/r muss eine Greta werden. Niemand ein Öko-Heiliger oder gar ein Fundamentalist.
Was ich aber von aufgeklärten und denkenden Menschen erwarte: die Kräfte und Bestrebungen zu unterstützen, die sich für eine rasche und konsequente Umsteuerung unseres Wirtschaftens, unserer Mobilität, unserer Landwirtschaft und unseres Konsums (Ressourcenverbrauch) einsetzen.
Nicht nur, aber auch, weil es langfristig auch die wirtschaftlich/finanziell überlegene Alternative ist.

Habeck und Baerbock bei LANZ

Ich war wohl tatsächlich zu optimistisch.
Bin ich doch davon ausgegangen, dass politische Talk-Sendungen aufklärerisch und meinungsbildend wirken können.

Gestern bei LANZ war so eine Situation:
Ich dachte: „Das muss doch wohl jetzt jede/r merken, wie absolut niveaulos und inhaltsleer die provozierenden Fragen und Einwürfe waren, die vom Moderator selbst und von seinem unsäglichen  Hilfssheriff Weimer (Cicero) ausgingen. Und gleichzeitig müsste jede/r staunen, wie relativ gelassen und souverän die beiden mit diesem unangenehmen Verlauf umgegangen sind.

Um mich in meinem Eindruck zu bestätigen – und in Vorfreude darauf, dass es in den sozialen  Medien einen Aufschrei der Empörung geben müsste – habe ich die Facebook-Seite der Sendung aufgemacht und begann das Staunen:
Die Reaktionen waren total aufgespalten – zwischen Begeisterung und völliger Verachtung für das Auftreten und Argumentieren der beiden Grünen-Spitzen.
Unglaublich! Es ging um den gleichen Ausschnitt der Realität – doch letztlich dient dieser Ausschnitt den meisten Menschen nur dazu, ihre sowieso verfestigten Überzeugungen zum Besten zu geben.

Ich habe dann selbst ein paar Zeilen gepostet und ein paar Posts gelikt (diese Schreibweise wird wirklich empfohlen – statt „geliked“). Am nächsten Tag habe ich dann bei Twitter ähnliches erlebt; auch in einigen Zeitungskommentaren.
Dabei erscheint es doch so völlig klar, wer „Recht“ hat; es ist doch offensichtlich; man hat es doch selbst miterlebt ….

Was ich damit sagen will: Man denkt, dass der Riss zwischen Trump-Wählern und dem liberalen Amerika ein Ausdruck typisch amerikanischer Zuspitzung wäre – und das Ergebnis unzureichender politischer Bildung und eines verdummenden Privatfernsehens in der Hand von rechtslastigen Milliardären.
Dann schaut man in die deutsche Wirklichkeit und spürt, wie unvereinbar nicht nur die Positionen, sondern auch die Wahrnehmung von grün-orientierten Menschen und Grünen-Hassern sind.

Für mich war das ein kleiner Schock. Der Kampf um die Nachhaltigkeits-Wende ist noch lange nicht gewonnen. Man sollte den Widerstand gegen die notwendigen Veränderungen nicht unterschätzen.
Ich bin gespannt, wie die jungen Leute von Fridays for Future damit auf Dauer umgehen werden. Hoffentlich geht ihnen der Optimismus und die Geduld nicht verloren.
Einige Leute warten nur darauf, dass sich die Bewegung radikalisiert, um sie dann endlich ganz abwerten zu können.

Ach so – ihr fragt euch, ob ich denn nicht merke, dass meine Meinung auch nur „rein subjektiv“ ist und ich deshalb ein Teil des von mir hier reflektierten Geschehens bin. Auch ich will doch nur meine Überzeugung bestätigt sehen und werte anderes ab…..
Nun – das kann man natürlich so sehen.

Allerdings denke ich, dass die unterschiedlichen Interessen, um die es geht,  in eben nicht „gleichwertige“ Ziele sind, die in einem normalen pluralistischen Wettbewerb stehen. Es ist nicht beliebig, ob man sich für den Erhalt einer privilegierten Lebensweise einsetzt, die wissentlich die Lebensgrundlage späterer Generationen aufs Spiel setzt, oder für ein rasches Umsteuern, dass nicht nur wissenschaftlich begründet sowie ökologisch und moralisch geboten ist, sondern auch wirtschaftlich betrachtet eindeutig das (langfristig) beste Ergebnis verspricht.
Genau in dieser Haltung entdecken die Grünen-Gegner die viel gescholtene „Moralkeule“ der Klimaretter. Sorry! Wenn es nicht moralisch ist, statt für billiges Fleisch und billiges Fliegen für den Erhalt der Lebensgrundlagen zu kämpfen, weiß ich nicht, was Moral dann noch bedeuten soll!
Es ist doch nicht das Problem der Klimabewegung, dass sich ihre Gegner in eine moralisch nicht haltbare Ecke argumentieren!
Warum sollen sich eigentlich ausgerechnet die schämen, die Verstand, Gefühl und Weitsicht auf ihrer Seite haben?!

 

„Szenen aus dem Herzen – Unser Leben für das Klima“ von Malena ERNMAN

Ich stand diesem Buch, das die weltweit bekannte Klima-Aktivistin Greta auf dem Umschlag zeigt, zunächst recht skeptisch gegenüber. Sollte da schnelles Geld gemacht werden mit der Berühmtheit von Greta als Erfinderin der Schüler-Streiks – obwohl das Buch ja von ihrer Mutter verfasst wurde und einen Zeitraum schildert, der vor dem Streik liegt? Sollte es sich gar um eine Mogelpackung handeln – schnell zusammengeschustert, um den Hype auszunutzen? Zumal das Buch bei etwas weniger großzügigem Layout durchaus noch mindestens 30 Seiten dünner sein könnte als es die 250 Seiten vorgeben?

Nach dem Lesen komme ich zu einem anderen Urteil. Dieses Buch verdient es durchaus, gelesen zu werden! Man sollte nur wissen, was einen erwartet.

Berichtet wird – wie schon gesagt – aus der Perspektive von Gretas Mutter, einer international bekannten schwedischen Opernsängerin. Sie nennt die anderen drei Familienmitglieder zwar als Mitautorin – wohl aber eher pro forma.
Geboten wird kein zusammenhängender Text, keine chronologische Erzählung, kein Sachbuch. In insgesamt 92 recht kurzen „Szenen“ wird episodenhaft aus dem Leben der vierköpfigen Familie (plus Hund) berichtet.
Dabei werden folgende Themen berührt:
– Recht ausführlich wird die recht spektakuläre Krankheitsgeschichte der beiden Mädchen, Greta und Beata, und die damit verbundenen extremen Belastungen der Familie in einem offenbar phasenweise überforderten Gesundheits- und Schulsystem dokumentiert. Bei Greta geht es dabei hauptsächlich um Autismus, bei Beata u.a. um ADHS; in beiden Fällen in sehr spezifischer Ausprägung.
– Es wird dargestellt, wie es Thema „Klima-Wandel“ eine zunehmende und letztlich die zentrale Bedeutung für die gesamte Familie gewinnt und letztlich in die Entscheidung Gretas mündet, einen Klima-Schulstreik zu beginnen.
– Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe inhaltliche Statements, die die drohende Klima-Katastrophe selbst darstellen und mit immer wieder neuen Argumenten auf die Notwendigkeit eines sofortigen und radikalen Umsteuerns in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und im Alltagsleben eines jeden Einzelnen hinweisen.

Es handelt sich um einen durch und durch subjektiven Erlebnis- und Überzeugungsbericht! Hier wird nicht nüchtern abgewogen oder diplomatisch formuliert. Hier schreibt sich eine Mutter, Künstlerin und Bürgerin eines reichen und selbstbewussten Landes (Schweden) ihr Leid, ihre Wut, ihre Überforderung und ihre letzte Hoffnung aus dem Herzen. Leidenschaftlich und ungefiltert. Im Laufe des Buches outet sich die Autorin selbst als erwachsene ADHS-lerin.
Sie ist besorgt, enttäuscht, manchmal auch verzweifelt. Über das Chaos in ihrer Familie, über die Defizite im medizinischen Hilfesystem und über Politiker, Wirtschaftsführer und Journalisten, die die Wahrheit über die Klima-Risiken verschweigen oder beschönigen.

Während des Lesens fragt man sich, was das eine mit dem anderen zu tun haben könnte, also die Krankheiten in der Familie mit der Entwicklung zu einer Familie mit extrem ausgeprägtem Klimakatastrophen-Bewusstsein.
Man kann darüber nur spekulieren. Es könnte sein, dass die „störungsspezifische“ Wahrnehmung der Welt und die mit den Krankheiten verbundenen Extremerfahrungen die Familie aus den üblichen Mainstream-Bahnen von Verleugnung und Relativierung geworfen hat. Konfrontiert mit den existentiellen Nöten, die die Familie permanent ans Limit führt, ergeben sich möglicherweise andere Prioritäten.
Muss man vielleicht sogar selbst ein wenig „schräg“ sein wie Greta, um die Widersprüche und Verrücktheiten im Umgang mit der Bedrohung unseres Planeten in aller Konsequenz zu erfassen und in Handlung umzusetzen?

Warum nun dieses – eher strubbelige – Buch lesen?
Nun, man bekommt eine Idee, warum eine Greta zu dieser Greta geworden ist. Und man bekommt einen anderen, unmittelbareren Zugang zum Klima-Thema als es durch ein Sachbuch erreicht werden kann. Dieser Zugang ist emotionaler, subjektiver – vermittelt aber auch noch einmal grundlegende Informationen zum Stand der Dinge.
Und natürlich wird man konfrontiert mit der eigenen – viel gemäßigteren – Haltung und den damit verbundenen Inkonsequenzen.

Wer ein Greta-Fanbuch oder eine strukturierte Biografie erwartet, wird enttäuscht werden. In Schweden hat die Autorin Promi-Status; dieses potentielle Motiv für einen Kauf scheidet hier bei uns aus. Einige Ausführungen beziehen sich logischerweise auf spezifisch Schwedische Verhältnisse.

Ich finde das Buch insgesamt anregend und nützlich.
Der Erlös wird natürlich gespendet – wie könnte es bei dieser Familie auch anders sein…

 

„Die große Transformation“ von Uwe Schneidewind

Der Titel könnte auch einen Science-Fiktion-Roman schmücken – aber es ist (mal wieder) ein reales Zukunftsbuch.
Was unterscheidet es von den vielen anderen Büchern dieser Art, von denen einige auch in diesem Blog schon besprochen wurden (1, 2, 3, 4)?

Das lässt sich relativ einfach erklären: Während die anderen Bücher Fakten und Trends zusammentragen und die Notwendigkeit aufzeigen, sich auf die anstehenden Risiken und Herausforderungen (Digitalisierung, Klimawandel, usw.) möglichst bald einzustellen, macht das Buch von Schneidewind (und seinem Wuppertaler Institut) den Weg und die Prozesse der Umsteuerung zum Thema. Die Ausgangslage und die Ziele werden also weitgehend vorausgesetzt, es geht um die Umsetzung.

Damit ist auch die Zielgruppe für dieses Handbuch definiert: Es richtet sich weniger an den einzelnen Bürger und Konsumenten, sondern an die (potentiellen) Gestalter der Veränderungsprozesse, die als unvermeidlich bzw. ethisch geboten angesehen werden. Also an Muliplikatoren, Sozialwissenschaftlicher, Politiker, Aktivisten, Verbände, usw.
Es geht nicht um Faktenwissen, sondern um System- und Veränderungswissen.
Um es kurz zu sagen: Das Buch analysiert und beschreibt – sozusagen auf der Meta-Ebene – Wege und Methoden, wie die als dringend notwendig erachtete „Zukunftskunst“ vermittelt und erworben werden kann. Eine solche Zukunftskunst wäre ein Potpourri an Kompetenzen, Einstellungen und Verhaltensmustern, das den einzelnen und die ganze Gesellschaft befähigen könnte, die anstehenden Aufgaben der Transformation zu leisten.

Es gibt eine zentrale Zielsetzung, die als Vorgabe über dem gesamten Buch schwebt: Die Autoren verschreiben sich (Achtung: Wortspiel) mit vollem Engagement einem moralischen Anspruch: Die Erde soll für (alle!) demnächst ca. 10 Milliarden Menschen ein Ort werden, in dem ein menschenwürdiges Dasein möglich ist. Also ein Leben, in dem die Grundbedürfnisse und Menschenrechte gesichert sind. Und zwar – und jetzt kommt sozusagen der zusätzliche Anspruch – auch für künftige Generationen!
Es geht also um Gerechtigkeit UND Nachhaltigkeit.

Wie gesagt: Es wird nicht für dieses Ziel geworben, es wird vorausgesetzt. Dem kann ich gut folgen; ich wüsste keinen logischen oder ethischen Grund, der gegen dieses Ziel sprechen könnte.
Das Besondere ist nun, dass die Lösung nicht einer politischen oder ideologischen Heilslehre, nicht in einem gesellschaftlichen Umsturz und nicht in einer bloßen idealistischen Utopie gesehen wird. Statt dessen geht es ganz systematisch in kleinen, realistischen und zum Teil schon erprobten Schritte ans Arbeiten. Gucken, was es gibt, was schon funktioniert, welche Kräfte man bündeln könnte, welche Akteure bereit stehen, welche Institutionen man nutzen kann, usw.
Nach und nach entsteht so ein Netzwerk von Ideen, Prozessen und Beteiligten, die an ganz unterschiedlichen Stellschrauben drehen – auf ein gemeinsames Ziel hin.

Man wird fragen: Wo um Himmels willen soll denn bitte die Einsicht und Bereitschaft der Menschen herkommen, auf lieb gewonnene Gewohnheiten und ererbte Privilegien zu verzichten, zum Wohle des Ganzen?
Nun, genau um diesen kulturellen Wandel, um die Veränderung von Vorstellungen über ein „gutes“ Leben geht es auch in diesem Buch. Prioritäten können sich ändern; man kann diesen Prozess anstoßen, begleiten erleichtern.
Beispiel: Wenn Städte in Zukunft menschen- und nicht mehr autogerecht sein sollen, dann müssen Stadtplaner, Mobilitätsmanager und Wirtschaftsfachleute zusammenarbeiten. Und gleichzeitig muss es „schick“ werden, eben kein eigenes Auto mehr zu besitzen – so wie es in den urbanen Zentren von der jungen Generation schon vorgelebt wird. Solche Trends können Wege in die Nachhaltigkeits-Lebensweise weisen.

Es wird vielleicht schon an meinem Schreibstil der Rezension deutlich: Es geht um eine insgesamt eher trockene, abstrakte Materie. Es wird strukturiert und systematisiert, es gibt Listen und Schaubilder, Zusammenhänge werden beschrieben. Es gibt eine gewisse Redundanz und ein großes Bedürfnis nach Vollständigkeit. Nicht jede/r wird mit so einer Lektüre die kostbare Freizeit füllen wollen.
Aber es gibt Alternativen zum Durcharbeiten eines solchen Fachbuches.
So gibt es eine Internetseite, ein informatives Video in Kurz– und Langfassung und ein Podcast aus der Reihe „Philosophisches Radio“ von WDR 5.
Ich empfehle insbesondere den Podcast: In ca. 50 Minuten bekommt man einen guten Eindruck von der gesamten Thematik – auf recht unterhaltsame Weise.

 

Europawahl / Rezo-Video / Fridays for Future

Die steigenden Teilnehmerzahlen der Schüler-Demos und die sensationelle Öffentlichkeitswirksamkeit des Videos von YouTube-Blogger Rezo machen beispielhaft deutlich: Es gibt aktuell eine gesellschaftliche Dynamik, die sich in erster Linie rund um das Thema „Klimakrise“ manifestiert.
Dazu ein paar Überlegungen, die auch im Zusammenhang mit der morgigen Europawahl stehen:

Unbestreitbar ist:
Ja, einige Aussagen auf den Plakaten protestierender Schüler und in dem Rezo-Video (ich habe es wirklich ganz gesehen) sind überspitzt, polemisch, übertrieben, ungerecht und vermutlich in Einzelbereichen sachlich nicht haltbar. Das mag man bedauern oder sich sogar massiv darüber ärgern.

Vielleicht hilft ja  – als erster Schritt – eine Relativierung: Angesichts des unfassbaren Schrotts und der hasserfüllten Tiraden, die uns in den sozialen Medien seit Jahren umgeben: Wie schrecklich und gefährlich sind dann die zugespitzten Thesen eines jungen Mannes, der sich mit – zumindest im Prinzip belegten – Statements an eine jugendliche Subkultur wendet, die vermutlich von deutlich „seriöseren“ Medienangeboten kaum erreicht wird? Droht da wirklich der allgemeine Sittenverfall? Oder könnte es doch vielleicht ein engagierter – sicher nicht ausgewogener – Beitrag zu einer dringend notwendigen gesellschaftlichen Diskussion sein? Ist eine vereinfachende Zuspitzung „Die CDU zerstört unsere Zukunft“ wirklich mehr Aufregung wert als der Gegenstand, um den es geht – nämlich eine von den Kids als real empfundene Bedrohung ihrer Lebensperspektiven?
Noch ein Gedanke zur Relativierung: Die Gelbwesten in Frankreich haben aus Wut über vermeintliche soziale Zumutungen mal eben einen Staat an die Grenze eines Aufruhrs gebracht; es gab massive Gewalt und riesige materielle Schäden. Haben wir wirklich ein Problem wegen Schüler-Streiks und Rezo-Videos? Geht’s noch?

Eine weitere Frage an die Menschen, die sich über die Heftigkeit und den Rigorismus der jungen Leute aufregen: Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass sich die Auseinandersetzung so zugespitzt hat?
Sind es ungeduldige und überhitzte, auf Krawall gebürstete Jungen Leute, die sich – naiv wie sie sind – vor irgendeinen Karren spannen lassen?
Oder hat möglicherweise die Generation ihrer Eltern (also wir) schlichtweg 50 Jahre (seit „Grenzen des Wachstums“, Club of Rome, 1972) in einem beträchtlichen Umfang versagt?
Wir waren es doch, die schon lange alle Informationen über Umweltzerstörung, Ressourcenkrise und Klimawandel hatten und trotzdem nicht bereit waren, unser Wirtschaften und unseren Lebensstil den klar erkennbaren Notwendigkeiten anzupassen. Und jetzt sollen ausgerechnet diejenigen, die den Schlamassel irgendwann ausbaden müssen, Rücksicht auf unsere Bedürfnisse nach Ausgewogenheit und Diplomatie nehmen?
Das ist – mit Verlaub – verkehrte Welt!

Freuen wir uns doch, dass die jungen Leute uns einen Teil der Verantwortung abnehmen. Sogar wir werden noch etwas davon haben – weil es uns schnelles Handeln letztlich viel weniger abverlangen wird als weiteres Abwarten und Lavieren.
Müssen wir uns tatsächlich vor einer Bewegung fürchten, die alle Bürger aufruft zur Europawahl zu gehen und dabei an das Klima zu denken? Diese Kids zeigen uns, dass sie an unser demokratisches System – mit all seinen Schwächen – glauben! Was wollen wir eigentlich noch mehr? Gab es schon mal eine Jugendbewegung, die vernünftigere Ziele mit vernünftigeren Methoden zu erreichen suchte?

Wer ausgerechnet daran verzweifelt, der lebt wohl doch ein wenig in einer anderen Welt!
(Tut mir leid, wenn das auch polemisch klingen sollte…)

Wer sich genauer für die Wege interessiert, wie denn eine Umsteuerung zu einer klimaschonenden und nachhaltigen Welt aussehen könnte, kann hier mal reinschauen.

Übrigens: Morgen ist Europawahl!
Nicht zu wählen (oder die AfD) heißt, die Kräfte zu stärken, die die EU aushöhlen wollen und die gar nichts zum Klimaschutz beitragen wollen.

Fridays for Future / CO2-Steuer / Klimaziele

Jetzt kann ich nicht mehr ruhig bleiben; jetzt muss ich mich äußern. Einfach, weil es mir dann (hoffentlich) etwas besser geht.

Die GroKo hat gerade die CO2-Steuer abgeschmettert, ohne eine realistische, kurzfristig wirksame Alternative im Bereich Verkehr anbieten zu können.
Der einzige Grund: Es könnte zu Mehrbelastungen kommen, die gerade wirtschaftlich Schwächere und Pendler belasten könnten. Das könnte das Wahlvolk verärgern und möglicherweise in die Arme von Protestparteien (insbesondere der AfD) treiben. Also: lieber nichts tun!

Seitdem die Gelbwesten in Frankreich ihr Unwesen treiben, gibt es eine panische Angst vor den Protestbürgern, die vermeintlich jede politische Richtungsentscheidung ausschließlich unter dem Blickwinkel betrachten, ob damit irgendeine Einschränkung von „verbrieften“ Rechten oder ungünstige Konsequenzen für das eigene Portmonee verbunden sein könnten.
Die Folge: Die Politik kann und darf nur noch Entscheidungen fällen, die grundsätzlich niemandem weh tun könnten! Weil alles, was man einmal hatte – sei es auch noch so schädlich, unverantwortlich oder gefährlich – innerhalb kürzester Zeit den Status von unverrückbaren Menschenrechten erhält:
Fleischberge zu Taschengeldpreisen, Rasen ohne Tempolimit, für 19 € quer durch Europa fliegen, Smartphone-Wechsel im Jahrestakt – all das und vieles mehr gehört inzwischen zum Standard – jede Abweichung davon bedroht Zufriedenheit und Lebensqualität.
Und vor allem die Freiheit!

Die Wohlstandsgesellschaften auf diesem Planeten haben inzwischen einen Freiheitsbegriff, der sich hauptsächlich durch die Möglichkeit zum ungehemmten Konsum definiert. Freiheit wird somit nicht bedroht durch die Klimakatastrophe, durch die Vermüllung der Meere, durch die schädigenden Folgen der industriellen Landwirtschaft oder die zunehmende Vereinsamung der Menschen in ihren technisch hochgerüsteten Single-Haushalten. Freiheit wird bedroht, wenn irgendein Konsumgut oder eine liebgewordene Gewohnheit knapper oder teurer wird!
Egal welche Fehlentwicklung man anpacken will: Es darf keine Nachteile haben! Für niemanden!

Damit haben wir inzwischen die verrückte Situation, dass ein Umsteuern über Verbote nicht geht (weil ein Wutgeheul über die bedrohte Freiheit entstehen würde) und eine Regulation über den Preis nicht geht, weil es ja  – logischerweise – auch spürbar sein müsste, um etwas zu bewirken.
Eigentlich könnten die Politiker nach Hause gehen. Es gibt nichts mehr zu tun!

Eine besondere aktuelle Facette ist dabei die Vermischung zwischen allgemeinen Zielen (Energiewende, Klimaschutz) und der Sozialpolitik.
Während auf der einen Seite seit Jahrzehnten hingenommen wird, dass die Schere zwischen Arm und (ganz) Reich immer weiter auseinander geht, fällt den Politikern ausgerechnet beim Umwelt- und Klimaschutz auf einmal auf, dass bei einer Steuerung über den Preis die Auswirkungen in den unteren Sozialschichten stärker spürbar wären.
Ja, das ist dann so! Es muss auch so sein, wenn es was bringen soll! Wir leben ja auch nicht in einer Gesellschaft, in der Mercedes-Limousinen verlost werden. Warum muss dann jeder das Recht haben, auch mit kleinem Einkommen Fernreisen zu unternehmen oder für ein Fußballspiel durch halb Deutschland zu fahren zu können?
Es gibt kein Menschenrecht auf alles für alle! Und wenn man den gesellschaftlichen Reichtum anders verteilen will: nur zu! Aber nicht plötzlich dann, wenn es um Spritpreise oder Massentierhaltung geht!
Klimaschutz ist auch dann alternativlos, wenn er unsozial sein sollte! Das traut sich nur niemand zu sagen!

Und da sind wir dann endlich bei den Kids und ihren Freitags-Protesten. Was für eine Aufregung!
Da verlangen doch tatsächlich diese unreifen und verblendeten jungen Leute, dass man die eigenen Wissenschaftler (die meisten davon sind übrigens Erwachsene) und die eigenen politisch beschlossenen Klimaziele richtig ernst nimm! Also sozusagen wörtlich! Welch revolutionärer Übereifer! Wenn das jeder machen würde!
Kann man nicht ein wenig Einsicht und Kompromissbereitschaft verlangen? Reicht es nicht, dass die Gesellschaft im Prinzip dafür ist? Muss es dann auch noch verbindlich werden??

Ich würde mich als Jugendliche/r verarscht fühlen. Ich würde – gerade im Moment – denken, dass die „Alten“ haben immer noch nichts kapiert haben. Die machen einfach weiter, weil sie sich nicht trauen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen bzw. wahrzunehmen:
Wir werden Bequemlichkeit und Wohlstand opfern müssen, um langfristige Ziele zu erreichen! Fleisch darf und muss teurer werden, Sprit und Strom auch, Flugbenzin erst recht!
Es gibt Schlimmeres (was dann letztlich langfristig auch sogar noch teurer werden wird).
Und die Kids haben ein Recht darauf, uns immer wieder daran zu erinnern, dass sie die Konsequenzen zu tragen haben werden. Wir können nicht erwarten, dass sie dabei zuschauen, wie wir (unsere Generation) die Titanic auch deshalb sinken lassen, weil wir sowieso schon vorher abgetaucht sind  – nachdem wir bis zum letzten Moment aus dem Vollen geschöpft haben.

 

„Nächste Ausfahrt Zukunft“ von Ranga YOGESHWAR

Nun also das vierte aktuelle Zukunftsbuch (hier die ersten drei); diesmal vom dem sympathischen Physiker und Wissenschaftsjournalisten Yogeshwar, bekannt vor allem aus der Sendung „Quarks und Co“. Dieser Mensch begleitet mich jetzt eine gefühlte Ewigkeit durch mein Leben und hat offensichtlich die Pille für die ewigen Jugendlichkeit geschluckt.

Was bietet er nun auf seiner Zukunftsreise?
Man könnte kurz sagen: Alles!

Vielleicht möchte man es doch ein wenig differenzierter:
Natürlich wird zunächst mal – und das kann man ja schon fast voraussetzen – kein wesentliches Zukunftsthema ausgelassen. Natürlich geht es um Digitales, Genetik, Klimawandel, Umweltzerstörung, Wirtschaft, Energie, Verkehr, Weltraum, Turbokapitalismus, Migration, Landwirtschaft und um den verunsicherten und überforderten Menschen auf seinem einzigartigen und gefährdeten Planeten.

Doch die erlebte Vollständigkeit bezieht sich nicht nur auf das Themenspektrum. Der Autor bietet auch eine Vielzahl von Perspektiven und Zugängen an: Er berichtet von Reisen und Interviews, fügt (eigene)Tagebuchaufzeichnungen ein, erklärt auf seine routinierte Art auch komplexe Zusammenhänge und spart auch nicht mit persönlichen Bewertungen und Warnungen. Er ist immer als engagierte Person, als Wissenschaftler und Bürger, spürbar und versteckt sich nicht hinter vermeintlich objektiven Gegebenheiten.

Zwei weitere Besonderheiten des Buches möchte ich nennen:

  • Yogeshwar schafft immer wieder die Klammer zwischen dem (vermeintlich) Bekannten und den neuesten Erkenntnissen und Trends. Er sammelt seine Leser erst mal dort ein, wo er sie mit ihrem Informationsstand vermutet; dabei geht er auf Nummer sicher und spricht noch mal vieles aus, was man so oder anders schon gehört oder gelesen hat. Das ist für viele sicher auch ein wenig redundant. Aber er bleibt dort nicht stehen, sondern führt den Leser bis an die Orte, wo jetzt gerade ganz konkret die Zukunft erfunden wird. Das schafft ein Gefühl der aufgeklärten Ahnung: man hat eine Idee, worum es gehen könnte und worauf es hinauslaufen könnte.
  • Der Autor spart zwar nicht mit bedenklichen Informationen oder eindeutigen Warnungen – trotzdem behält er eine optimistische Grundperspektive. Er sieht und beschreibt (erste) Anzeichen der ein oder anderen Trendwende, freut sich z.B. über Gegenbewegungen zum Digitalisierungswahn – ohne dabei technikfeindlich zu sein.

Mein Resümee:
Yogeshwar hat das richtige Buch für diejenigen geschrieben, die einen breiten und leicht verdaulichen Einstieg in eine aktuelle Gesamtsicht der Welt suchen und dabei die unauffällig, aber bestimmt führende Hand des wohlmeinenden und menschenfreundlichen Autors gerne akzeptieren. 
Hier wird man aufgerüttelt, aber nicht schockiert; hier werden menschliche Fehlentwicklungen gezeigt, aber keine Feindbilder definiert.
Lasst uns zusammen die Welt retten – aber seit dabei nett zueinander!
(ja, wenn nur alle so nett wären wie Ranga….)

 

Drei große Zukunfts-Sachbücher im Vergleich

Al GORE: Die Zukunft
HARARI: Homo Deus
LESCH / KAMPHAUSEN: Die Menschheit schafft sich ab

Ja – ich habe sie wirklich alle drei gelesen in den letzten Monaten (alles ziemlicher Wälzer). Mit großem Gewinn. Da nicht jede/r so viel Zeit hat, möchte ich durch den Vergleich der drei Bücher eine Entscheidungshilfe geben.

Zu den Gemeinsamkeiten:
Alle drei Bücher bieten eine fast unerschöpfliche Quelle von Fakten und Zusammenhängen über die Trends und die Risiken an, die das Schicksal der Menschheit in den nächsten Jahrzehnten bestimmen werden. Die Argumente und deren wissenschaftliche Untermauerung sind absolut überzeugend, geradezu zwingend. Natürlich geht es um Klima, Umweltzerstörung, Bevölkerungswachstum, wachsende soziale Ungleichheit, Bedrohung der Demokratie, künstliche Intelligenz, Genmanipulation und die Digitalisierung aller Lebensbereiche. In den Grundaussagen und den Schlussfolgerungen sind sich die Autoren sehr einig – wenn sie auch unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Wo also liegen die Besonderheiten bzw. Unterschiede?

Das Buch von Al GORE ist aus der Perspektive eines amerikanischen Politikers geschrieben, von einem Insider des Systems. Die von ihm analysierten Fehlentwicklungen der US-Demokratie sind beeindruckend klar und unmissverständlich beschrieben – geradezu entlarvend. Diese detaillierte Auseinandersetzung mit dem Versagen eines politischen Systems findet sich in den anderen beiden Büchern nicht.  Dabei bleibt Al GORE ein amerikanischer Patriot und hofft darauf, dass die USA sich von dem Einfluss des Großkapitals, der Lobbyisten und der rechten Medien-Zaren wieder befreien kann und dann (wieder) eine verantwortliche Führungsmacht für die ganze Welt werden kann. (Er konnte sich wohl nicht ernsthaft vorstellen, dass Trump eine US-Wahl gewinnen könnte – sonst hätte wohl sein Optimismus noch mehr Schaden genommen).
Al GORE ist in erster Linie ein Klima- und Umwelt-Aktivist; diese Schwerpunkte sind dem Buch auch anzumerken.
Seine Darstellung ist gut gegliedert; der rote Faden ist immer zu erkennen. Es wird keine Behauptung aufgestellt, die nicht auch faktenreich untermauert wird. Der Stil ist eher unaufgeregt und sachlich.

LESCH ist ein deutscher Wissenschaftler. Sein Buch ist eine sehr gründliche und umfassende Bestandsaufnahme der (aktuell stark bedrohten) Menschheitsentwicklung auf diesem Planeten. In diesem Sinne umfasst er mit seinem Buch sogar noch die erste Publikation von HARARI (Eine kurze Geschichte der Menschheit).
Es werden unglaublich viele  Aspekte nicht nur berührt sondern auch vertieft.
Das Buch von LESCH ist schon fast ein historisches, naturwissenschaftliches und umweltbezogenes Nachschlagewerk (leider ohne ein Stichwortverzeichnis).
Die Darstellungsform unterscheidet sich insbesondere dadurch, dass LESCH immer wieder einzelne Themen in separaten Exkursen vertieft (abgehoben in farbigen Kästchen). Dadurch wird ein noch größerer Tiefgang erreicht; die Darstellung bekommt dadurch einen kaleidoskopischen Charakter und verläuft nicht so stringent in einem Fließtext. Ein weiteres Stilmittel stellen eingebaute Interviews mit anderen Experten dar; ebenso werden Quellen nicht nur erwähnt sondern teilweise sehr ausführlich zitiert.
Diese Buch liest man sicher nicht nur einmal – es verführt dazu, einzelne Aspekte immer mal wieder nachzuschlagen.

Warum ist trotzdem HARARIs Buch mein Favorit?
In gewisser Weise ist dies das subjektivste Buch dieser Auswahl. Hier ist am meisten vom Autor und seinen Gedanken zu spüren. Bei HARARI geht es nicht in erster Linie um eine beeindruckende Faktensammlung sondern im Mittelpunkt steht seine sehr besondere Einordnung und seine Systematik.
Von HARARI wird man am meisten „an die Hand“ genommen. Er erklärt die Welt (und den Menschen) auf dem Hintergrund seiner Denkschablonen.
Vielleicht gibt es Menschen, die das eher befremdlich finden oder sich manipuliert fühlen. Bei ihnen entsteht vielleicht eine Reaktanz.
Mir erging es anders: Ich empfand es anregend und faszinierend, mich auf diese Reise zu begeben. Ich hatte keine Probleme, mich auch auf die subjektiv-wertenden und manchmal sehr selbstüberzeugten Aspekte seiner Darstellung einzulassen. Ich habe es sehr genossen!
Natürlich gab es auch für mich einige Stellen, die mich zur Relativierung oder gar zum Widerspruch reizten – dafür habe ich über weite Strecken das Angebot ausgekostet, bekannte Tatsachen und Trends in ungewohnten und höchst kreativen und anregenden Zusammenhängen serviert zu bekommen.
Insgesamt ist der Homo Deus das philosophischste der drei Bücher; der von HARARI erstellte gedankliche Überbau ist absolut gleichrangig bedeutsam wie die angeführten Fakten.

Warum liest man drei solche Bücher, wenn man inhaltlich sowieso schon überzeugt ist?
Das ist eine gute Frage, über die ich ernsthaft nachdenken werde….