Richterwahl in den USA

Ich mache es diesmal kurz:

Was auch immer damals bei der Wahl von Trump passiert ist – man konnte sich damit herausreden, dass es ja nur ein Protest war bzw. dass man ja davon ausgehen konnte, dass sich dieser Provokateur als Staatsmann zivilisieren würde.

Jetzt wissen die Amerikaner und die Welt seit fast zwei Jahren, wessen Geistes Kind dieser Trump ist. Und es gelingt ihm tatsächlich trotzdem, einen umstrittenen erzkonservativen Richter auf Lebenszeit in das höchste Gericht zu drücken.

Ich finde es trostlos, dass es nicht zumindest einige republikanische Senatoren gibt, die bei dieser Gelegenheit ein Zeichen gegen Trump zu setzen bereit sind.

Wie ist es möglich, dass sich dieser Mann nach diesen unseligen zwei Jahren noch so bestätigt fühlen kann?

Ich kann nur fragen – Antworten finde ich gerade nicht.

Katalonien II

Ich bin am Tag der sog. Unabhängigkeitserklärung des katalonischen Parlaments zufällig vor Ort, auf Besuch bei einer Freundin. In einem kleinen Dorf in der Nähe von Girona, der zweitgrößten Stadt Kataloniens.

Wir verfolgen den ganzen Tag gespannt die Nachrichtenlage. Dann passiert es: Die beiden Parteien fahren die größten Geschütze auf – ab sofort ist alles möglich. Der Zug hat sich in Bewegung gesetzt; besser: Zwei Züge nehmen Fahrt auf, aufeinander zu, auf einer eingleisigen Strecke.

Betrifft mich das? Werde ich wie geplant in der nächsten Woche nach Hause fliegen können? Wird meine Freundin das Land verlassen müssen, weil deutsche Jugendämter in dieser Situation keine Maßnahmen mehr verantworten können?

Was ist mit den Menschen hier? Gestern machte ich einen Spaziergang, eine Stunde nach Verkündigung der Ablösung von Spanien. Die Leute strichen ihre Haustüren und reparierten ihre Autos. Die katalonischen Fahnen hängen müde an manchen Häusern. War was?

Alle Leute verlassen sich darauf, dass ja nichts Ernstes passieren kann. Das Leben muss doch weitergehen. Der Alltag ist doch stärker als die Politik. Hat jemand ein Gefühl dafür, dass man gerade mutwillig eine insgesamt gute und friedliche Lebenssituation aufs Spiel setzt? Größtenteils, um einer vagen Idee, einem diffusen Freiheitsgefühl nachzujagen? Man vergleicht sich in einer naiven Realitätsverzerrung mit Situationen und Menschen, bei denen es wirklich etwas ging oder geht. Um Unterdrückung, Not, Perspektivlosigkeit.

Für mich ist es unverständlich. Und verantwortungslos. Ich freue mich, dass gerade die Sonne aufgeht. Ich hoffe auf den Sieg der Vernunft. Überall. Und ich hoffe auf eine problemlose Heimkehr in der nächsten Woche.

(Es ist übrigens schön hier)

„Ein amerikanischer Traum“ von Barack OBAMA

Warum bespreche ich ein Buch, das ich niemandem wirklich zum Lesen empfehlen würde?

Weil es von Barack Obama geschrieben wurde, dem amerikanischen Präsidenten, auf den Donald Trump folgte.

Ich war immer ein Obama-Fan – auch in der Zeit, als er als große Enttäuschung oder Mogelpackung  belächelt und kritisiert wurde, weil er angeblich entweder nicht geschickt genug taktierte oder nicht radikal genug war.

Ich habe nie verstanden, warum man ihn mitverantwortlich dafür machte, dass sich das rechte, klerikale, rassischste und superreiche Amerika gegen ihn verbündete mit dem einzigen Ziel, ihn scheitern zu sehen. Ich konnte nie begreifen, warum nicht jedem bewusst war, was für ein kaum glaubhaftes Glück es für die USA und die Welt war, einen so intelligenten, charaktervollen und ethisch denkenden Menschen an der Spitze einer Weltmacht zu haben.

Jetzt, wo man weiß, wie schnell so etwas ins Gegenteil kippen kann, gibt es langsam ein Gefühl dafür.

Dieses Buch, in dem Obama 1995 seine komplexe Familiengeschichte erzählt, unterstreicht eindrucksvoll, mit was für einem differenzierten und vielschichtigen Menschen wir es zu tun hatten. Das Buch handelt von seiner rastlosen Suche nach der eigenen Identität in den unterschiedlichen Verästelungen seiner wahrhaft multi-kulturellen Wurzeln. Parallel zu seiner Biografie reflektiert er die schwierige und von Widersprüchen geprägte Herausforderung, als schwarzer Bürger Amerikas seine Rolle und seinen Platz zu finden.

Trotzdem rate ich davon ab, dieses Buch tatsächlich auch zu lesen. Es ist einfach zu detailliert und damit auch zu weitschweifig – zumindest wenn man selbst (z.B. als weißer Mitteleuropäer) von den angesprochenen Themen nicht unmittelbar betroffen ist. Natürlich gibt es immer wieder auch zusammenfassenden Betrachtungen und Schlussfolgerungen – aber sie gehen unter in einem Wust von minutiösen Schilderungen von Personen und Begebenheiten.

Was bleibt ist die Gewissheit, dass ein Mensch amerikanischer Präsident war, der von dem jetzigen Amtsinhaber wirklich unfassbar weit entfernt ist. Dass diese beiden extremen Verkörperungen von dem, was Amerika sein kann, an der wichtigsten Schaltstelle der Welt unmittelbar aufeinanderfolgen, ist eine wahrlich verrückte Pointe der Geschichte.

Katalonien

Wofür die Separatisten in Katalonien kämpfen, ist das Gegenteil von dem, was wir in Europa brauchen. Es ist zu hoffen, dass sich die Vernunft gegen die emotionalen Verirrungen der Unabhängigkeits-Befürworter durchsetzen kann.

Bei allem Verständnis für das Bedürfnis, kulturelle und sprachliche Besonderheiten zu pflegen und zu erhalten: Das Bestreben, einzelne Provinzen in Spanien oder sonstwo in Europa aus den staatlichen Zusammenhängen abzulösen, ist nochmal eine Steigerung des sowieso schon immer stärker um sich greifenden Nationalismus.

Wenn die Menschheit auch leider noch nicht überall in der Lage ist, globale Probleme als solche zu erkennen und darauf mit globalen Lösungen zu antworten, so sollten doch wenigstens zusätzliche lokale Sonderwege in weiter zersplitterten Einheiten verhindert werden. Warum verstehen die Menschen nicht, dass man sich angesichts der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte wirklich keine selbst konstruierte Schwächung Europas leisten kann.  Amerikaner und Chinesen warten nur darauf, dass das „altmodische“ Europa mit seinen „übertriebenen“ ökologischen, sozialen und demokratischen Werten von der Weltbühne abtritt.

Wir sollten daher hoffen, dass Separatisten Europa nicht noch zusätzlich schwächen. Und wir sollten dafür eintreten, das die Initiativen (insbesondere von Macron) für ein modernes, starkes und soziales Europa sich durchsetzen.

Macron II

Vor einiger Zeit habe ich mich schon einmal kurz zu dem französischen Senkrechtstarter geäußert. Inzwischen hat er mit der Umsetzung seines Programms begonnen und er beeindruckt mich damit weiterhin fast uneingeschränkt.

Macron ist zum Motor Europas geworden – auf eine Art, die m.E. volle Unterstützung verdient. Macron will nicht – wie man es vielleicht in früheren Phasen vermuten konnte – verkrustete nationale Strukturen durch eine Umverteilung auf europäischer Ebene ausgleichen und überdecken. Er ist bereit, auch den traditionell sperrigen Franzosen einiges zuzumuten. Er will das aber nicht als Selbstzweck sondern er verbindet damit die Vision eines starken und sozialen Europas.

Ein solcher Kurs ist nicht nur langfristig gut für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Europa sondern vor allem für die Sicherung des Einflusses von Europa in der Welt. Das setzt innereuropäische Solidarität voraus; die ist auch mit einer gewissen Umverteilung verbunden. Aber das Ganze ist eine Investition in die gemeinsame Zukunft.

Leider sind im Moment die GRÜNEN die einzige Partei der zukünftigen Regierung, die eindeutig bereit ist, diesen Weg aktiv mitzugehen. Insbesondere die CSU und die FDP verteidigen in populistischer Manier den deutschen Egoismus („wir sanieren Europa nicht mit deutschen Steuergeldern“).
Natürlich wäre aber dabei peinlich darauf zu achten, dass nicht ungerechte Privilegien in anderen Ländern unangetastet bleiben, weil ja das Geld von außen (z.B. aus Deutschland) kommt.

Ich hoffe, dass Macron sich letztlich mit seiner Vision durchsetzen kann. Er könnte an einem Europa basteln, das endlich von der Mehrheit der Menschen als an ihren Interessen orientiert wahrgenommen wird.

 

Nordkorea-Konflikt

Nein – wir werden vermutlich nicht in einen atomaren Schlagabtausch geraten. Es wird noch irgendwie gut gehen. Denke ich. Hoffe ich.

Aber:
Ist es nicht wirklich total pervers und völlig abstrus, dass im 21. Jahrhundert – im digitalen Zeitalter – das Risiko eines (zumindest) lokalen Weltenbrandes von den psychischen Abnormitäten einzelner Personen (besser gesagt „Männern“) abhängt?! Als ob zwei Steinzeit-Clans mit Faustkeilen aufeinander losgehen, weil sich die Häuptlinge gegenseitig genervt haben?

Wem soll man das erklären? Welche halbwegs intelligente außermenschliche Rasse würde sich mit einer solchen degenerierten Spezies länger beschäftigen – außer sie vielleicht im interstellaren Grusel-Kabinett auszustellen.

Wirklich unfassbar!
Und unfassbar traurig…

Macron

Es gab für mich in den letzten Monaten kaum eine vergleichbar positive Entwicklung wie der überraschende Erfolg von Emmanuel Macron in Frankreich.

Es ist auf mehreren Ebenen wirklich phänomenal:

  • Ein junger, charismatischer Hoffnungsträger setzt sich gegen alle bisherigen Gruppierungen und Parteien in einem Land  durch, in dem die politischen Lager lange als besonders verkrustet galten.
  • Es scheint tatsächlich ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass auch angesichts aller globaler Trends und Machtstrukturen tatsächlich eine einzelne Persönlichkeit weitreichenden Einfluss auf die Geschicke einer Nation bekommen kann.
  • Es ist ein extrem positives Signal, dass hier jemand unter dem Primat der Vernunft angetreten ist und ein so eindeutiges Gegengewicht zu Populismus, Nationalismus und Ideologien schaffen konnte.

Alle, die jetzt meckern, weil irgendetwas an ihm nicht 100% der eigenen Lehre entspricht, sollten sich ernsthaft überlegen, ob es irgendwo eine realistischere und vielversprechendere Alternative gibt oder gab.
Wenn man sich auf so einen Politikstil nicht einigen kann – dann wüsste ich nicht mehr weiter….

(Hier gibt es eine Fortsetzung)