HERBERT GRÖNEMEYER in der Arena Gelsenkirchen (07.09.19)

Das Ruhrgebiet feiert HERBERT und sich selbst!

Wenn ich über dieses Konzert schreibe, dann will ich zwischen drei Aspekten unterscheiden: Einmal geht es um das Phänomen „HG“ bzw. das Zelebrieren desselben, dann geht es um die Qualität eines Pop-Konzertes und schließlich – ich kann das nicht ganz vermeiden – soll auch ein kurzer Vergleich mit dem kürzlich besuchten LINDENBERG-Konzert erfolgen.

Der erste Punkt erklärt sich fast von selbst: Was sollte ein Auftritt mitten im Ruhrgebiet für HG und seine Fans anderes sein als eine riesige  Party unter guten Freunden?! Man kennt sich, man mag sich, man weiß, wie man denkt und man singt zusammen die allseits bekannten Lieder.
Was könnte da schief gehen? HG zeigt sich erwartungsgemäß ergriffen; in zunehmendem Maße gewinnt man den Eindruck, dass aus der zunächst eher formelhaft wirkenden Begeisterung über die Resonanz aus dem Publikum eine echte Emotionalität entsteht. Gut zu verstehen, wenn einem Zigtausende zu Füßen „liegen“ und sie die eigenen Texte auch ohne Begleitung intonieren können.
So wird dann nach dem ersten – rein theoretischen – Konzertende die Sache dann endgültig zu einem echten Fest: Das Publikum will nicht gehen und der Künstler will nicht aufhören. Man weiß zwar im Grunde, dass das Programm bis zur letzten Minute so konzipiert wurde, aber es fühlt sich so an, als ob die letzte Stunde sich aus der perfekten Interaktion zwischen HG und seinem Publikum ergeben hätte. In ein paar Momenten war es tatsächlich auch so, weil HG Impulse aus dem Publikum aufgreift; das sind die ganz warmen Momente der großen Gemeinschaft.

Und war es – nüchtern betrachtet – auch ein „gutes“ Konzert?
Ich begebe mich schon mit dieser Frage auf dünnes Eis. Es waren doch ganz offensichtlich alle begeistert – was soll dann die Frage überhaupt?! Ist das nicht schon fast Gotteslästerung?
Ich sage es trotzdem ganz ehrlich: Ich habe auch schon in sehr großen Hallen deutlich besser ausgesteuerte Sounds gehört. Die Klangqualität – sowohl bzgl. Musik als auch stimmlich – war maximal durchschnittlich. Ein klarer, transparenter Sound war – wenigstens in meinem Sitzplatzbereich – nur in den leisen, sparsamer intrumentalisierten Stücken zu genießen. Sobald es komplexer und lauter wurde, war der Klang etwas breiig, manchmal auch eher dumpf. Das tat zwar der Stimmung offensichtlich keinen Abbruch, ist aber angesichts der Eintrittspreise eigentlich nicht angemessen.
HG war insgesamt deutlich angeheisert; bei einzelnen Stücken führte das – in Kombination mit den Soundschwächen – dazu, dass man die Texte wirklich nicht mehr verstand.
Eher sympathisch (weil menschlich) waren kleine Schnitzer, die man bei den durchperfektionierten Mammutkonzerten gar nicht mehr gewohnt ist (ein verpatzter Liedbeginn und eine falsche Ansage; geschenkt!).

Und der Vergleich zwischen zwei der ganz großen, seit Jahrzehnten erfolgreichen deutschen Sangeskünstlern?
Mein Punkt ginge an UDO. Aber – ich gebe es zu – die Bewertung ist nicht gerecht. UDO (und sein optisches Spektakel) konnte ich in einer deutlich kleineren Halle und dann noch recht dicht an der Bühnenrampe genießen.
Sehr wahrscheinlich hätte HERBERT unter diesen Bedingungen auch noch wesentlich dichter und präsenter gewirkt als durch das Filter der räumlichen Distanz.

Also: Toll, dabei gewesen zu sein! HG und Ruhrgebiet waren – wie immer – eine perfekte Paarung.
Möglicherweise werde ich aber in Zukunft noch etwas zurückhaltender bzgl. Konzerten in Groß-Arenen sein. Ich mag es einfach, wenn man dem Schlagzeuger beim Spielen zugucken kann…

3 Antworten auf „HERBERT GRÖNEMEYER in der Arena Gelsenkirchen (07.09.19)“

  1. Absolut fantastische Atmosphäre, Soundschwächen habe ich nicht wahrgenommen, Udo fand ich auch toll. Würde immer wieder zum Herbert gehen; auch in die Arena. Als Ruhrgebietler ein besonderes Erlebnis. Mit weniger kritischem Geist führt man vielleicht ein noch genussvolleres Leben…
    Das muss auch nicht auf Kosten von Ambivalenzen und Differenzierungen gehen 😉

  2. Du nimmst differenzierte Betrachtungen vor und benennst alle Ambivalenzen angemessen, endest aber mit einer „unterm Strich“ Bewertung. Die machst du dann so groß, dass sich alles drumherum nur noch gut und richtig anfühlt. Das ist pragmatisch und klug. Du spürst im Hintergrund alle deine anderen Ebenen (sie werden also nicht verleugnet), konzentrierst dich in einem Resümee jedoch auf eine Vereinfachung die mehr Spaß macht. Kritik darf in den Rucksack und kann bei Bedarf befragt werden, du musst sie nicht als Statement auf dem T-Shirt tragen.

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