„The Who’s TOMMY Orchestral“ von Roger Daltrey

See me, feel me, touch me, heal me….

Es gibt vermutlich nur einen einzigen „echten“ Interessenten für meine Meinung zu der gestrigen Neu-Veröffentlichung der bekanntesten Rock-Oper aller Zeiten. Ich nutze trotzdem diesen Kanal, um sie kundzutun und werde den Link auch an einige Menschen weitergeben, die eher peripher mit dem Ereignis – bzw. dessen Bedeutung für mich – zu tun haben.

TOMMY hat mein Leben in den letzten 50 Jahren begleitet. Es gab alle erdenklichen medialen Erzeugnisse – und ich habe sie alle irgendwann erworben oder besucht: LP, CD, Multimedia-CD, Konzert-DVDs, Konzert, Kino-Film, Film-DVD, Musicals. Das meiste davon in mehrfachen Versionen bzw. Durchläufen.
Der Grund für diese nachhaltige Prägung lag nicht nur in der besonderen musikgeschichtlichen Bedeutung dieses Konzept-Albums, sondern auch in meiner persönlichen Situation: Ich war 15, schon einige Jahre sehr mit Pop- und Beatmusik verbunden und The Who war meine Gruppe.
Und dann dieser spektakuläre Durchbruch, der die Gruppe für eine Weile fast auf die Ebene der Beatles katapultierte!

Ach so – ich schreibe ja eine Rezension. Danke für den Hinweis!

An das aktuelle Live-Album bin ich mit einer gehörigen Skepsis herangetreten. Nicht nur, weil der Schöpfer des Ganzen, der Gitarrist und intellektuelle Kopf der Who, Pete Townshend, nicht mitmacht, sondern weil die Begleitung durch ein Orchester den meisten Pop-/Rockwerken nicht besonders zugute kommt.

Um es kurz zu machen: Ich finde die Einspielung gelungen und hörenswert!

Man hat der Versuchung widerstanden, aus der Rock-Oper ein verkitschtes, mit süßlichen Geigen verziertes Trallala-Epos zu machen. Himmel sei Dank!
Die Musik hat einen klaren Drive, Schlagzeug und Gitarren dominieren das Geschehen, die Dynamik ergibt sich weitgehend aus den rockigen Grundstrukturen und nicht aus dazu-arrangierten Klassik-Einlagen.
Stellenweise gelingt es, den Orchester-Sound als eine Art auffüllenden Klangteppich wirken zu lassen – ähnlich wie es sonst durch Keyboards oder Synthesizer bewerkstelligt wird. Das passt und klingt richtig gut und wertet in den besten Passagen das Original sogar auf.
Ärgerliche oder störende Stellen gibt es aus meiner Sicht wenige.
Die stimmlichen Qualitäten von Roger Daltrey halten sich in den aus den letzten Jahren (Jahrzehnten) bekannten Grenzen. Akzeptabel.

Bleibt die Frage: Wer braucht sowas? Ist es mehr als das – vielleicht letzte – Aufbäumen der Verwertungsmaschine für ein 50 Jahre altes Album?
Bevor man mit hämischem Grinsen oder mitleidigem Lächeln den Daumen nach unten richtet:
Wie geht man eigentlich im Klassik-Bereich mit Neuinterpretationen von Kompositionen um, die mehrere Hundert Jahre auf dem Buckel haben? Sagen die Kritiker unisono: „Das ist doch ein alter Hut!“? Nein, tun sie nicht!
Manches stilprägende Material der Rockgeschichte verdient es durchaus, nochmal neu und anders arrangiert zu werden. TOMMY gehört sicherlich dazu.
Allerdings darf bezweifelt werden, dass die aktuelle Version tatsächlich Neu-Hörer aus der Nach-Woodstock-Generation rekrutieren kann.
Da werde ich wohl zu den typischen Konsumenten gehören: ein weiterer Mosaikstein des großen TOMMY-Puzzles…
(Diesmal – ganz zeitgemäß – am Tag der Veröffentlichung über Spotify gestreamt).

Tommy, can you  hear me?

 

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