„Triffst du Buddha, töte ihn! Ein Selbstversuch“ von Andreas Altmann

Ich bin sehr dankbar, dass ich manchmal Bücher empfohlen bzw. ausgeliehen bekomme, die mir selbst wohl nicht begegnet wären. Besonders freue ich mich natürlich, wenn man sich dann noch für meine Meinung interessiert. Beim „Buddha“-Buch war das der Fall. Da ich meine Meinung schon persönlich übermittelt habe, erfolgt hier nur eine Kurz-Rezension der Vollständigkeit halber.

Manchmal sagt ja die Einschätzung („Das Buch könnte was für dich sein“) ja  – etwas aus über die Bilder, die jemand über den potentiellen Leser im Kopf hat. Bei ALTMANN betraf das den Punkt der Religionskritik: Wenn dieser Autor doch so eindeutig und leidenschaftlich die traditionellen monotheistischen Offenbarungsreligionen ablehnt – so der Gedanke – dann könnte doch Sympathie oder Solidarität für sein Gesamtkonzept entstehen…

Nun – das hat nicht geklappt. Hier kurz die Begründung:

Der alternativ-orientierte Weltenbummler und Journalist ALTMANN treibt sich gerade in Indien  herum. Auf der Suche nach irgendwie intensiven Erfahrungen. Er will sich spüren, etwas Extremes erleben. Wie offenbar schon oft in seinem rastlosen Leben und auf seinen zahlreichen Reisen, die man wohl – leicht untertrieben – als „anti-touristisch“ bezeichnen kann. Es sucht das wahre Leben, er taucht ein, bis es weh tut: Auf der Suche nach Authentizität und Intensität gibt es wohl kaum etwas, was er nicht tun oder essen, wo er nicht schlafen, wen oder was er nicht an sich heranlassen würde.

In diesem Buch geht es um das Durchleben und Durchleiden eines buddhistischen Meditations-Marathons in einem abgelegenen Camp. Es geht um viele Tage mit unglaublich vielen langen Stunden, in denen nur still gesessen und geatmet wird. Jede Form von Kommunikation in der Gruppe ist verboten. Input kommt nur vom Meditations-Lehrer.
ALTMANN nimmt uns mit in seine inneren Prozesse und Kämpfe, beschreibt seine Schmerzen, seine Zweifel und sein Durchhalten. Es geht um Selbstüberwindung, um das Überschreiten von riesengroßen Stopp-Schildern – nach dem Motto: Was kommt hinter dem Schmerz, hinter dem Gefühl von endlos und zäh fließender Zeit, hinter den unaufhörlich rotierenden Gedanken, hinter der Leere?

ALTMANN mutet sich Unglaubliches zu; sein Motiv, innere Grenzen zu überwinden muss nahezu grenzenlos sein. Er will wissen, wie viel Weisheit und Selbsterkenntnis die Power-Meditation ihm bringen kann.
Dabei setzt er sich nicht nur von den – als naiv empfundenen – Glücks- und Jenseitsversprechungen der Ein-Gott-Religionen ab, sondern räumt bei dieser Gelegenheit gleich die Erleuchtungs-Ansprüche der buddhistischen Gurus mit ab. Er will und sucht keine Abwendung vom Ich und vom Alltag; er will sein Ego und seinen Intellekt nicht auflösen im Einssein mit dem Kosmos. Er will sich nicht von prallen Leben abwenden. Dafür ist ALTMANN viel zu lebensgierig. Hinter seiner Extrem-Askese lauert letztlich der Genuss-Mensch.

Mir kommt das so vor, dass hier jemand mit einer – für mich schon etwas pathologisch zwanghaft anmutenden – Konsequenz letztlich eine weitere Extremerfahrung konsumiert. Für mich ist der Autor ein Getriebener, dem schon der Gedanke an ein etwas normaleres Leben ein wohl geradezu körperlich schmerzhaftes Grauen verursacht.

Nein. Mich verbindet kaum etwas mit diesem Menschen.
Meditieren finde ich übrigens lohnend und sinnvoll. Aber es gibt sicher viele motivierendere Einladungen dazu.

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