„Quest“ von Andreas ESCHBACH

Bisher  bin ich weitgehend nach der Regel verfahren: „Einmal Eschbach, immer Eschbach“ (z.B. Ausgebrannt oder NSA). Diesmal war das ein Fehler.

Das will ich kurz begründen.

Das Buch „Quest“ stellt eine Mischung zwischen klassischer Fantasy-Literatur und Science-Fiction dar. So wie ich finde, eine gründlich misslungene Mischung.

Eschbach versetzt seine Leser in eine ferne Zukunft, in der unvorstellbare Entfernungen mit Hilfe völlig neuer, den Prinzipien unserer Physik widersprechenden Antriebstechnologien überwunden werden können. Große Bereiche des Universums sind durch raumfahrende Wesen erforscht und zum Teil auch besiedelt worden. Da alles Leben im Weltall einen gemeinsamen Ursprung hat, hat es sich auch erstaunlich gleichförmig entwickelt. Vieles, was da kreucht und fleucht, ist ziemlich menschenähnlich.

Soweit, so gut! Das könnte ja eine Ausgangsbasis für interessante Geschichten darstellen.

Doch was fällt dem sonst so kreativen Eschbach dazu ein: Billige Versatzstücke irgendwelcher Heldenepen. Novizen, die in einem monströsen Tempel die Wissensschätze der Menschheit bewachen und später große Bedeutung erlangen (dabei natürlich auch kurz die Freuden der Liebe kosten dürfen). Sternenkaiser, die die Macht über das gesamte Universum erobern (oder verteidigen) wollen. Einsame edle Kämpfer, verdammt zur Unsterblichkeit – und damit leider nicht zu echter Liebe fähig. Vorbildliche Heilerinnen, die auf dem Weg zu von anderen missachteten Patienten von der Leiter fallen.
Wenn es nicht so traurig und trostlos wäre, könnte man wenigstens lachen.

Welches Gesellschaftsmodell hat sich diese technisch so unglaublich überlegene Kultur wohl ausgesucht? Man mag es kaum glauben: Ein Kastensystem, in dem die – qua Geburt – Edlen herrschen, ein kleiner Mittelbau durch Leistung zumindest ein wenig glänzen kann und eine große Mehrheit Niederer in Unfreiheit und Perspektivlosigkeit gehalten wird.
Tolle Aussichten.

Und was machen die Tausende von Niederen auf einem Hyper-Super-Riesen-Raumschiff den ganzen Tag? Jedes Schulkind würde sich schämen, so etwas zu schreiben: Sie sind Reinigungskräfte, Mechaniker, Bedienungspersonal. Willkommen in einer fernen Zukunft!

Es geht so unglaublich und fantasielos weiter: Was tut man, wenn eines der galaktischen Antriebssysteme Schaden gelitten hat? Man bastelt per Handarbeit (tatsächlich mit dem Werkzeug von Klempnern) aus zwei kleinen ein großes neues Hyper-Maschinchen. Und wenn es nicht ganz passt, dass gibt’s noch ein mit dem Hämmerchen…

Natürlich muss dieser Nonsens noch spirituell-philosophisch aufgeladen werden. Es geht um die großen letzten Fragen. Gibt es einen Gott und was hat er sich wohl dabei gedacht? Was ist mit dem Sinn von ALLEM?

Meine Antwort: Dieses Buch ist jedenfalls grober Unsinn! Lieblos zusammengezimmert. Fast eine Unverschämtheit. Wer ein Zukunftsbuch schreibt und sich dabei weniger Gedanken über Roboter oder künstliche Intelligenz als über die diplomatischen Umgangsformen zwischen Edlen macht, hat wohl mehr als das Thema verfehlt.
Wer das klassische Fantasy-Publikum bedienen will, sollte sich vielleicht nicht so weit in die Zukunft vorwagen.

Eigentlich gibt es nur eine Erklärung: Eschbach hat seinen Namen verkauft und jemand anderes hat dieses Buch geschrieben. Mit dieser Erklärung könnte ich am ehesten leben.
Wo der Mann (der echte Eschbach) doch so tolle Bücher schreiben kann ….

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