„Ausgebrannt“ von Andreas ESCHBACH

Ich schätze diesen Autor. Er nimmt sich aktuelle und gesellschaftlich bedeutsame Themen vor und bereitet sie mit Hilfe aufwändiger Recherchen und viel Fantasie zu spannenden Geschichten auf. Dabei taucht er mit großer Akribie in technische (wirtschaftliche, historische) Welten ein, nimmt reale Entwicklungen auf und denkt sie mit einer dezenten, aber sehr anregenden  Portion an Science-Fiktion konsequent weiter.

Auch der Thriller „Ausgebrannt“ ist so gestrickt: Alles in diesem Roman dreht sich um das Erdöl und um die auf dessen preiswerter Verfügbarkeit basierende Weltwirtschaft.
Es geht zunächst um Menschen und Erfindungen, die das Ziel haben, das Erdöl-Zeitalter möglichst grenzenlos zu verlängern. Dabei bilden reale wirtschaftliche und politische Zusammenhänge den Hintergrund für die agierenden Protagonisten, die ihren privaten Reichtumsträumen nachjagen . Eine besondere Rolle kommt dabei  – wenig überraschend – den Saudis und ihrer Rolle im globalen Poker um das Schwarze Gold zu.
In der zweiten Hälfte der Story ändert sich das Szenario grundsätzlich: Für die Hauptpersonen – aber auch für die ganze Welt – geht das goldene Überfluss-Zeitalter ziemlich unvermittelt zu Ende, so dass jetzt andere Kompetenzen und Erfindungen relevant werden. Dieser weitgehende Zusammenbruch der bisherigen Strukturen wird von ESCHBACH in vielen Facetten anschaulich beschrieben – natürlich wiederum unter Beteiligung der bekannten Figuren.

Meine Meinung:
Die Story selbst hat für mich im ersten Teil einige Längen, hat mich später dann mehr gepackt.
Für mich liegt der Gewinn für den Leser aber an einem anderen Punkt:
Dieser Roman öffnet tatsächlich recht wirkungsvoll den Blick auf die große Verletzlichkeit unseres gesamten realen Wirtschaftssystems, die nicht zuletzt  in der geradezu unfassbaren Abhängigkeit vom billigen Erdöl begründet liegt.
Auch wenn sich für einzelne Annahmen und Schlussfolgerungen sicher handfeste Gegenargumente finden lassen: Die Gedankenlosigkeit, mit der wir mit den Schätzen unseres Planeten umgehen, wird von ESCHBACH am Beispiel Erdöl wirkungsvoll vorgeführt.

Für mich ist das Ganze intelligente Unterhaltung – mit einem Mehrwert an Weltverständnis. Dafür nehme ich ein paar Schwächen in der Story gerne in Kauf.

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