MTV unplugged 2 von UDO LINDENBERG

Nachdem ich kürzlich den Lebensrückblick von UDO  recht kritisch besprochen habe, geht es jetzt um sein neues musikalisches Werk. Nach dem sensationellen Erfolg seines ersten Unplugged-Albums (2011) wollte er es nochmal wissen: Gleiches Konzept, andere Lieder, andere Gast-Künstler.

Dies wird eine sehr persönlicher Blick auf diese Veröffentlichung. Sie ist geprägt davon, dass ich den Morgen des 4. Adventsonntags zur Verfügung hatte, um mich mit voller Aufmerksamkeit und hoher emotionaler Ansprechbarkeit dem kompletten Konzert in Blue-Ray-Qualität und in Dolby-Surround-Sound zu widmen.
Das Ergebnis: Ich war begeistert und angerührt. Und das will ich kurz erklären.

Zunächst zu den Rahmenbedingungen:
Das Ambiente ist aufwändig und liebevoll gestaltet. Das Thema: Seefahrer-Romantik. Es geht um Aufbrüche, um Abenteuer, um Unterwegs-Sein. UDO und seine Gäste bewegen sich in einer maritimen Bühnenlandschaft, ein Teil der Musiker ist in den Aufbauten eines großen Segelschiffes
untergebracht, die Schiffs-Bar darf natürlich nicht fehlen. Das ganze strahlt eine warme Atmosphäre aus.
Die musikalische Qualität der Darbietung ist wirklich über jeden Zweifel erhaben: Da sitzen und stehen ausnahmslos Spitzen-Musiker, denen die Unplugged-Arrangements wie auf den Leib geschnitten erscheinen. Es ist eine Freude, ihnen beim Spielen zuschauen und man hat durchweg den Eindruck, dass sie alle dieses besondere Ereignis genießen.
Das gilt übrigens auch für die Musiker vom Elbphilharmonischen Orchester, die sich ganz offensichtlich in diesem Moment als Teil der großen Lindenberg-Familie fühlen.

Da sind wir schon bei der Emotionalität:
UDO und sein Team schaffen es mal wieder, ein Grundgefühl von Herzlichkeit und Zusammengehörigkeit zu schaffen – eben die berühmte „Panik-Familie“. Wobei es inzwischen natürlich viel mehr ruhige und nachdenkliche Lieder gibt als den alten „Panik-Rock“.
Es sind nicht nur die Botschaften in und zwischen den Liedern, die auf Solidarität und Menschlichkeit setzen, es ist auch der demonstrativ liebevolle Umgang miteinander. Man mag sich und man zeigt es auch. Selbst wenn ein Teil davon Show-Business sein sollte – es ist ein liebenswerter Aspekt.
Auch die Einblendungen aus dem Publikum spiegeln mehr als nur die Begeisterung für einen verehrten Star wieder: Es ist zu spüren, dass man ein Lebensgefühl und eine Lebenshaltung teilt.

Die Grundthemen sind lindenbergisch klar: Es ist die Ambivalenz zwischen „großer Liebe“ und dem Vagabunden-Dasein, es geht um empfundene Enge des Spießbürger-Daseins und die Flucht daraus, es geht um euphorischen Genuss und tiefen Absturz (im Alkohol-Exzess), es geht um den nie endenden Kampf gegen die zerstörerischen Kräfte: das gierige Kapital, das machthungrige Militär und die korrupten Politiker.
Ja – UDO hält seine Botschaft gegen jede Zeitgeist-Strömung aufrecht. Und er lässt wieder die Kinder auf der Bühne mitsingen, wenn er „in den Frieden zieht“. Das mag kitschig und naiv sein – aber es ist trotzdem um ein Vielfaches wertvoller als ein Großteil der inhaltslosen Konsum- und Promi-Welt, die sonst die Bildschirme vermüllt.

UDO hat sich mit diesem Album mal wieder selbst ein Denkmal gesetzt. Wirklich bemerkenswert. Und – das sei auch nicht unterschlagen – er selbst singt so gut und sauber wie niemals zuvor.
Hier tritt kein abgehalfterter Polit-Clown auf, um noch mal die schnelle Mark zu machen. Hier wird niveauvolle Unterhaltung auf allerhöchstem technischen und musikalischen Niveau geboten.

Wer in sich eine „UDO-Affinität“ spürt, sollte sich dieses Konzert vielleicht mal gönnen. Ich würde stark dazu raten, es nicht beim bloßen Hören zu belassen, sondern auch optisch in die UDO-Welt einzutauchen.
Mir hat es einen intensiven und anrührenden Vormittag geschenkt. Was kann man von einer Silberscheibe mehr erwarten?!

(Übrigens: Wer wissen will, welche Künstler UDO diesmal um sich versammelt hat, kann das ganz schnell aus anderen Quellen erfahren).

 

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