„Einmal Schicksal und zurück“ von Sandra PULS

Vorweg ein Warnung:
Ich bin hier erstmals als Rezensent nicht neutral, da eine persönliche Beziehung zur Autorin besteht. Das ist auch der Grund, warum ich dieses Buch schon einen Tag nach dessen Erscheinen besprechen kann: Ich kannte es schon vorher. Trotzdem schreibe ich hier natürlich meine „echte“ Meinung.

Wie der Titel verrät, geht es um das Schicksal. Damit werden eine Menge – auch widersprüchliche – Assoziationen geweckt: Geht es um Vorsehung? Um die Rolle des Zufalls? Um esoterische Erkenntnisse? Oder ist jeder seines Glückes Schmied? Und warum „zurück“?

Das Buch speist sich aus zwei Quellen:
Die Autorin verarbeitet – wie sie auch auf ihrer Website verrät – ein eigenes Thema, nämlich die Erfahrung, dass sich das Unglück manchmal auf unfassbare Weise bei bestimmten Menschen bzw. Familien konzentriert.Aus dem Umgehen mit der Kontrasterfahrung – selber auf der Sonnenseite leben zu dürfen – entstand die persönliche Motivation für dieses Buch.
Darüber hinaus stellt dieses – für junge Menschen ab der Pubertät konzipierte – Werk einen unterhaltsamen und anregenden Einstieg in das Philosophieren dar.

Wann – wenn nicht im Jugendalter – werden zum ersten Mal die großen Fragen des Lebens gestellt? Und wann – wenn nicht in dieser Entwicklungsphase – besteht ein Interesse an Freundschafts-/Liebesbeziehungen und spannenden Abenteuern in virtuellen Welten?
Was liegt näher – so dachte sich Sandra PULS – als diese beiden Bedürfnisse zusammenzuführen?

Der Autorin hat diese Aufgabe – wie ich finde – außergewöhnlich kreativ gemeistert. Sie erzählt die Geschichte eines jungen Paares (das sich natürlich gerade erst ganz vorsichtig findet): Der vom Glück verwöhnte Ben und die in einer vom Pech verfolgten Familie lebende Liv geraten bei einem Ausflug in digitale Spielwelten per Zufall in eine Parallelwelt, in der das Schicksal der Menschen geradezu bürokratisch verwaltet wird. Und beim Verwalten erweisen sich die „Wächter des Schicksals“ als nur allzu menschlich…
Natürlich geht es bald um die entscheidende Frage: Können die beiden es schaffen, Liv und ihre Familie aus den Fängen der fehlgeleiteten Wächter zu befreien?

Doch auf einer zweiten Ebene geht es eben doch die ganze Zeit um die Grundfragen der Existenz. Wer oder was bestimmt denn nun das individuelle Schicksal? Gott, der Zufall oder das eigene Tun?
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist so geschickt in die spannende Handlung eingewoben, dass keine Spur eines pädagogischen Anspruches zu spüren ist.
Das Ergebnis: Nachdenken und Philosophieren kann also Spaß machen!

Wie könnte es anders sein: Natürlich werden keine fertigen Antworten angeboten. Das Fragen und Denken sind die eigentliche Ziele.
Und doch gibt es eine Botschaft: Es lohnt sich auch in schwierigen Situationen, Gelegenheiten beim Schopf zu packen und auf die Unterstützung von wohlwollenden Mitmenschen zu vertrauen.

Ach ja: warum eigentlich „zurück“?
Vielleicht ist es schon klar geworden: Natürlich kehren die beiden Abenteurer von ihre Reise in den normalen Alltag zurück – und werden vermutlich noch eine Weile zusammen bleiben….

Fehlt noch ein Wort zur sprachlichen Seite: Der Stil des Buches ist locker und leicht verständlich; das Lesen verursacht keinerlei Mühe. Und doch wird deutlich, dass die Autorin die Sprache nicht nur als Mittel zum Zweck einsetzt. Sie „spielt“ auch mit ihr. Immer wieder mal stößt man auf bestimmte Begrifflichkeiten, die man in dieser Zusammensetzung oder in diesem Kontext nicht erwartet hätte. Man spürt förmlich, dass sie diese eine spezielle Formulierung gebraucht hat, um ein bestimmtes Gefühl oder Bild zu vermitteln – dafür nimmt sie auch ein kurzes Stutzen des Lesers in kauf.

Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt für Jugendliche beiderlei Geschlechts ab ca. 14 Jahren. Es ist ein tolles kleines Geschenk, wenn man das Ziel hat, Denkanstöße zu geben und gleichzeitig Lesevergnügen zu bereiten. Dieses Buch verstaubt ganz sicher nicht ungelesen im Regal.

Weitere Infos findet ihr beim Verlag bzw. auf der Website der Autorin.

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