„Wunder wirken Wunder“ von Eckart von Hirschhausen

Dieses Buch lief mir zufällig über den Weg – ich habe dann einfach mal zugegriffen. Ich will davon kurz berichten.

Hirschhausen ist ein bisschen der „everybody’s darling“ der Medizin. Es ist der nette Onkel, ein sympatischer, eher harmlos wirkender Mensch, der einen bestimmt nicht überfordern möchte. Auch nicht in einem 500-Seiten-Buch.
Hirschhausen ist Mainstream, bekannt aus Funk und Fernsehen.
Lohnt es sich, so ein Buch zu lesen, wenn man sich schon einigermaßen informiert und aufgeklärt fühlt?
Insgesamt möchte ich diese Frage bejahen – wenn man auch mal seicht-unterhaltsam dargebrachte Kost mag.

Vom Selbstverständnis her soll dieses Buch der Versöhnung zwischen Schul- und Alternativmedizin dienen. Der Autor will die guten Seiten beider Ansätze nutzen und im Interesse der Patienten kombinieren.
Dieser Anspruch hat mich zunächst etwas skeptisch gemacht. Ich befürchtete eine eher wohlwollend-unkritische Haltung gegenüber den zahlreichen irrationalen Irrwegen der „anderen“ Medizin. Diese Sorge erwies sich als gänzlich unberechtigt. Der Autor hat überall dort, wo es um eine Abgrenzung von Scharlatanerie, Esoterik und windigen Heilsversprechen geht, eine glasklare Haltung. Er arbeitet immer wieder sauber heraus, was an den alternativen Heilungsansätzen hilfreich und nützlich ist: nicht der (sowieso nicht messbare) Inhalt von irgendwelchen Globulis oder die Wirkung geheimer Kraftfelder, sondern Zeit, empathische Zuwendung und persönliches Gespräch.
Das Erfolgsgeheimnis von Heilpraktikern und Naturheil-Ärzten liegt nicht in ihren spezifischen Methoden, sondern in der angebotenen Beziehung, in der die Patienten auch oft ein wenig von ihrer Sehnsucht nach der „Heil-Kunst“ befriedigt finden.

Hirschhausen benutzt zwar den reißerischen Begriff „Wunder“ als Buchtitel, beschreibt aber letztlich wortreich die vielen Facetten des Placebo-Effektes. Dabei macht er deutlich, dass das systematische Wecken und Nutzen von positiver Erwartung und Zuversicht – mit den damit verbundenen Selbstheilungskräften –  bestimmte Rahmenbedingungen brauchen. Er betrachtet den Patienten nicht nur als Empfänger von Informationen und Arznei-Stoffen, sondern als Menschen, die in der Gesamtheit ihrer Voraussetzungen und Bedürfnisse gesehen werden wollen.
Seine Vorstellung einer angemessenen medizinischen Grundversorgung erfüllt eher der klassische Hausarzt als das hochspezialisierte und technisierte Facharzt-Zentrum.

Das Wunder-Buch ist aber viel mehr als ein Plädoyer für eine menschliche Medizin. Es ist ein recht umfassender Gesundheits-Ratgeber für den Alltag; nicht für das Erkennen und Behandeln bestimmter Erkrankungen, sondern als Richtschnur für eine gesundheitsfördernde Lebensweise. Sympathisch ist dabei die unaufgeregt-humorvolle Darstellung, aus der ununterbrochen Toleranz für menschliche Schwächen und Unvollkommenheiten träufelt.

Besonders  gefallen hat mir, dass Hirschhausen auch nicht blind für die gesellschaftlichen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit ist. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er auch die Bedeutung von Bildung für das Gesundheitsverhalten anspricht – ebenso wie einige bekannte Fehlentwicklungen in unserem milliardenschweren Gesundheitssystem, das seiner Überzeugung nach in einigen Bereichen eher an einer Überversorgung als an einer Unterversorgung leidet.

Mein Tipp: Dies Buch ist ein gutes Geschenk für Menschen, die wohldosierte und nett garnierte Informations- und Aufklärungshäppchen ohne erhobenen Zeigefinger genießen wollen. Ein Gesundheitsbuch für diejenigen, die sich dieser Thematik ohne den Promi-Bonus und den anekdotenhaften Stil nicht in dieser Ausführlichkeit widmen würden.

Aufklärung, die nicht anstrengt und nicht weh tut. Aus meiner Sicht ohne Nebenwirkungen.

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