„Der weite Weg der Hoffnung“ von Loung UNG

Es geht um das Leben und Überleben in Kambodscha unter dem Schreckens-Regime der Roten Khmer. Die Autorin schildert Ihre Kindheit, die dadurch bestimmt war, dass sie urplötzlich aus einem behüteten Mittelschicht-Leben in ein jahrelanges Martyrium von Hunger, Unterdrückung und Zwangsarbeit geworfen wurde. Sie hat – anders als Millionen andere – überlebt.

Was kann man lernen aus diesem Buch?

  • Es  wird an diesem Einzelschicksal deutlich, wie wahnwitzig die Vorstellung ist, eine „ideale“ Welt durch das rücksichtslose Umsetzen einer Ideologie zu schaffen. Die Roten Khmer waren nämlich von der Idee besessen, dass jede Form von Bildung oder Kultur den Menschen von seiner wahren Bestimmung abbringt, ein einfaches Landleben in absoluter Gleichheit zu führen.
  • Während man das Mädchen und seine Familie durch die Stationen ihrer Odyssee begleitet,  bekommt man ein Gefühl dafür, was Menschen – auch Kinder – alles aushalten können, wenn es die Umstände erzwingen. Anpassungsfähigkeit und Überlebenswille sind offenbar extrem starke Kräfte, die für das Weiterbestehen unserer Art sicherlich sehr bedeutsam waren.
  • Gleichzeitig entsteht auch ein Zweifel, ob eine Übertragung auf unsere aktuelle Lebenssituation wirklich möglich wäre: Unter solchen Bedingungen überleben zu können, hatte sicher auch mit einer kulturspezifischen Haltung und Genügsamkeit zu tun und vor allem mit einem geradezu unauslöschbaren Familiensinn.
  • Fassungslos macht immer wieder das Fehlen von Empathie, Mitgefühl, Mitleid. Geschildert wird das nicht nur im Umgang zwischen ideologisch aufgepeitschten Soldaten und ihren Umerziehungsopfern, sondern auch zwischen den „einfachen“ Menschen, die sich nur in kleinen Facetten voneinander unterscheiden. Ist die für „uns“ (damit meine ich mein Umfeld) so selbstverständliche Mitmenschlichkeit vielleicht doch nur ein hauchdünner zivilisatorischer Umhang über dem „Biest“ in uns? Was ist mit den kleinen Zipfeln von Solidarität, die hin und wieder auch unter den unmenschlichsten Bedingungen sichtbar werden?

So ein Buch ist eben doch mehr als nur die Geschichte eines Einzelschicksals. Es zu lesen, reißt einen doch ein wenig heraus aus der Komfortzone, die kaum größere Aufreger zu haben scheint als eine verzögerte Regierungsbildung.

Natürlich hätte man das alles auch in 200 statt in 300 Seiten packen können – aber auch die Ausführlichkeit und die eindringliche Art der Darstellung vermittelt etwas von dem Grundgefühl dieser schrecklichen Epoche.

Wie viele Beispiele brauchen wir noch, um zu begreifen, dass  Menschenverachtung kein Schritt auf dem Weg zu einer besseren Welt sein kann?!

 

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