„Eine Idee erscheint (Die Ermordung des Commendatore 1)“ von Haruki MURAKAMI

Ich habe in den letzten 6 Jahren von keinem Autor mehr Bücher gelesen/gehört als von Haruki Murakami; ich nannte ihn deshalb oft schon „meinen Japaner“. Er hat einen wirklich sehr individuellen Schreibstil entwickelt, der sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist – aber ihn gleichzeitig seit Jahren regelmäßig auf die Kandidaten-Liste für den Literatur-Nobelpreis gebracht hat.

Der neue Roman reiht sich lückenlos in das bisherige literarisches Schaffen von Murakami ein, weist aber trotzdem eine Besonderheit auf: Er ist für sich alleine in keiner Weise abgeschlossen; endet sozusagen „mitten im Satz“. Daher wollte ich eigentlich den (zwingend notwendigen) zweiten Band abwarten, bevor ich meine Bewertung abgebe. Nun ist aber dieses Buch offenbar außerordentlich erfolgreich und schon weit oben in der SPIEGEL-Bestseller-Liste. Es wird also Zeit.

Der Roman spielt in der Nähe von Tokio und ist natürlich in die japanischen Kultur und Lebensweise eingebettet; der Autor ist aber immer international aufgestellt. Diesmal spielt klassische Opernmusik aus Österreich und Deutschland eine große Rolle; es gibt auch Bezüge zur Machtergreifung der Nazis.

Der Ich-Erzähler ist (Portrait-)Maler und berichtet über eine Episode aus seinem Leben, die mit der plötzlichen Trennung seiner Frau beginnt. Dieser Einschnitt bringt ihn in eine neue Umgebung und damit in Berührung mit sehr ungewöhnlichen und skurrilen Ereignissen.
Man erfährt viel über Malerei, über Opern, über besondere menschliche Beziehungen.

Was macht nun das Buch so anders?
Murakimi schafft immer wieder eine sehr besondere Atmosphäre, in dem er eine einzigartige Verbindung schafft zwischen zwei „Welten“: Auf der einen Seite schildert er in einer unglaublich unauffälligen Selbstverständlichkeit normale Alltagssituationen bzw. -abläufe; er lullt den Leser so durch entsprechende Wiederholungen (mit hoher Redundanz) geradezu in eine fast meditativ wirkende Banalität ein. Es geht dabei z.B. oft um Alltagsverrichtungen wie Kochen und Hausarbeit. Diese geradezu langweilige Normalität dient dann Basis für die Entwicklung völlig skurriler und phantastischer Inhalte, die den normalen Realitätsrahmen oft weit hinter sich lassen. Weil diese Geschichten aber in dem gleichen „Tonfall“ und einer unveränderten – im Prinzip sehr einfachen – Erzählstruktur dargeboten werden, gelingt es dem Autor tatsächlich, den Leser mit in diese Alternativwelten zu nehmen und die sonst zu erwartenden Widerstände zu überwinden. Ein toller Trick, der immer wieder wirkt – auch wenn man ihn kennt.

Man kann nach Murakami süchtig werden oder ihn als einen verrückten Spinner zur Seite legen.
Ich jedenfalls warte auf den zweiten Band (der für April angekündigt ist). Dass man so – durch die Aufteilung in zwei Bände – deutlich mehr Gewinn erzielen kann als durch ein entsprechend dicken Einzelband, sei hiermit verziehen. Es ist halt mein Japaner. Und er wird den Nobelpreis noch bekommen. Früher oder später….

(s. a. „1Q84„)

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