„Future Love“ von Matthias HORX

Es ist eine echte Herausforderung, eine Rezension über ein neues Beziehungs-Buch zu schreiben, wenn man selbst – zusammen mit einer Co-Autorin – seit über zwei Jahren an einem solchen Buch schreibt (vermutlich werden es letztlich zwei Bücher nach drei Jahren).

Ich muss unumwunden einräumen: Das Buch von HORX ist zu ziemlich das Beste, was ich zum Thema „Liebesbeziehungen“ jemals gelesen habe; es ist facettenreich, anregend, kreativ, visionär.

Das Buch spannt den Bogen von den Anfängen der Menschheitsentwicklung bis zu den antizipierten Zukunftstrends des mittleren 21. Jahrhunderts. Der Autor bedient sich einer sehr besonderen Mischung zwischen wissenschaftlicher Aufarbeitung und persönlichen Bezügen zu seiner eigenen Biografie – die er immer wieder zur Illustration seiner Thesen heranzieht.

Es wird schnell deutlich, dass sich HORX nicht gerne im Mainstream aufhält: Er kennt scheinbar nur irgendwie exzentrische und leicht ausgeflippte Menschen – entsprechend breit gefächert ist seine Sichtweise auf die Variationen der menschlichen Liebe. Diese sehr offene und tolerante Haltung gegenüber allen Spielarten kommt auch dem Blick in die Zukunft der Liebe zugute: Auch hier lässt der Autor kaum eine denkbare „Verrücktheit“ außen vor. Er hat offensichtlich ein gewisses Vergnügen an den Extremen, die er genüsslich darstellt, um sie dann aber letztlich doch kritisch zu hinterfragen und zu relativieren.

Die Stärke des Buches ist in gewisser Weise vielleicht auch seine Schwäche: Der „Normalo“ mit seinen ganz alltäglichen Beziehungsproblemen findet sich nicht unbedingt wieder in diesem Kaleidoskop von Trends und Utopien. Manchmal hilft dann nur ein irritiertes Kopfschütteln…

HORX greift auf eine solide Basis von Literatur-Quellen zurück, findet auch dort sehr spezielle Angebote: So scheint er ein besonders Faible für solche Liebes-Forscher zu haben, die ihre Erkenntnisse auch in mathematische Formeln übersetzen. Manchmal entsteht der Eindruck, dass nicht alle aufgeführten Theorien und Aspekte in ausreichendem Umfang auch in den Gesamtzusammenhang integriert werden. So wird z.B. die Bindungsforschung kurz auf einigen Seiten referiert, aber nicht weiter argumentativ genutzt.

Von solchen Kleinigkeiten abgesehen: ein tolles Buch für die Leser, die sich besonders für die schillernden „Ränder“ der Liebeskultur interessieren und die aktuellen Trends gerne mal in die Zukunft weiterdenken (lassen). Jede Menge Stoff zum Denken und Diskutieren!

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