„ES“ Die (Neu-)Verfilmung des Horror-Klassikers von Stephen KING

Warum gehe ich in einen solchen Film?
Nun, das hatte in erster Linie sehr persönliche Gründe; die alleine reichen zur Erklärung mehr als aus. Dazu kam die Neugier, wie das Buch von Stephen King, das ich vor kurzem als Hörbuch gehört habe, filmisch umgesetzt wird. Dazu wollte ich mir eine Meinung bilden.

Ich hole etwas aus:
Ich mag keinen Horror; ich muss nicht mit dem inneren und äußeren Schrecken der Welt konfrontiert werden, um mich irgendwie zu spüren; Gewaltschilderungen erzeugen bei mir Abwehr und Abscheu. Ich sehe die Ästhetisierung der Gewalt nicht als akzeptable Kunstform an. Ich gehöre der „ach so ignoranten und spießigen“ Gruppe von Menschen an, die einen Zusammenhang zwischen exzessiver Gewaltdarstellung (in welcher Form auch immer) und der Verrohung von Menschen und Gesellschaften postulieren (das tue ich nicht nur als Privatmensch sondern auch als Psychologe).

Warum dann überhaupt Stephen King?
Nun – der Mann kann einfach tolle Geschichten toll erzählen! Auch wenn seine Millionen-Bestseller nicht als „hohe“ Literatur gelten, so beinhalten sie doch sehr viel mehr als Schocker-Effekte. King kann Figuren zeichnen, Schauplätze atmosphärisch dicht ausgestalten und psychische Prozesse nachvollziehbar machen. Im Grund liebt er die Menschen.
Schade nur, dass seine Leidenschaft in diese eine Richtung geprägt wurde. Einen King ohne Horror und Gewalt würde ich als Autor lieben!

Ach so – ich wollte eine Filmkritik schreiben…

Was kann man nach dieser Vorrede erwarten? Bestimmt keine Begeisterung – aber vielleicht ein Lob für die cineastische Umsetzung der Vorlage.
Dieses Lob gibt es ganz eindeutig von mir nicht!

Die Verfilmung konnte der Versuchung nicht widerstehen, das Verhältnis von Story und Grusel-Effekten genau auf den Kopf zu stellen. Die Geschichte der sympathischen Loser-Kinder-Clique dient fast ausschließlich als Anlass für die Schocker-Szenen. Der Regisseur tobt sich ungebremst aus in einer – sicherlich technisch perfekten – Aneinanderreihung von bis ins Absurde gesteigerten Ekel-Fantasien.
Die Regel scheint zu sein: „Je extremer desto besser – man muss doch bei dieser Gelegenheit mal zeigen, was heute tricktechnisch geht!“
Sorry – aber das interessiert mich nicht; ich brauche den Ekel nicht perfektioniert!
(An der Stelle sollte ich es vielleicht verraten: Ich habe die Augen öfters mal geschlossen, weil ich bestimmte Bilder gar nicht erst in mein Gehirn lassen wollte).

Noch ein paar andere Dinge haben mich geärgert:

  • Die ca. 11 bis 13-jährigen Kinder haben Sprüche von deutlich älteren Jugendlichen drauf – offenbar um das Ziel-Publikum (ab 16) zu bedienen.
  • Die im Film dargestellte Gewalt wird auch dadurch verharmlost, dass (gesundheitliche) Folgen durchweg in absurder Weise ausgeblendet werden (z.B. verursachen Steinwürfe an den Kopf scheinbar keinerlei Schäden).
  • Die Kinder sind auch psychisch gegenüber den extrem traumatisierenden Erlebnissen scheinbar vollkommen immun.

Wen könnte dieser Film also ansprechen – außer der Zielgruppe von jungen Menschen, die alles mitnehmen, was irgendwie trendy oder extrem ist?
Es gibt sicherlich Cineasten, für die eine Verfilmung dieses Horror-Klassikers ein von Natur aus relevantes Ereignis ist. Deren Interesse allen Facetten der Filmkunst gilt und deren Neugier für und Faszination durch das Medium nicht durch solche prinzipiellen Erwägungen (s.o.) getrübt wird. Für diese Menschen kann es sicher gute Gründe geben, sich dieser Situation zu stellen.

Für alle anderen empfehle ich:  Lass ES sein!

2 Antworten auf „„ES“ Die (Neu-)Verfilmung des Horror-Klassikers von Stephen KING“

  1. So ganz kann ich deine Kritik nicht umkommentiert stehen lassen. Über die ach so schrecklichen Szenen darf sich jeder ein eigenes Urteil bilden, der sie auch gesehen hat. Du hast ja 30 % des Filmes gar nicht hingesehen. Die optisch dargestellte Horrorszenerie war meines Erachtens eher albern bis absurd und außerdem zu langatmig. Subtilere Effekte hätten es auch getan. Das konnte sogar die Taxi-Werbung vor Filmbeginn besser.
    Zu dem was dich ärgert möchte ich ergänzen, dass ich
    1. die Ausdrucksweise für 13 jährige völlig angemessen finde
    2. deine Ansicht über die Verrohung der Gewaltdarstellung teile und
    3. die Auswirkungen der traumatischen Erlebnisse sich erst später zeigen. Da hat mir der Zeitsprung-Mix des Meisters der Buchvorlage besser gefallen.
    Aber dein Abschluss-Wortspiel finde ich super. Wenn ich es auch semantisch nicht teile.

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