Wahlnachlese Nr. 1

Ich muss mal ein paar Gedanken loswerden, die sich in den letzten Tagen in meinem Kopf gebildet haben. Diese Gedanken sind sicher nicht besonders „politisch korrekt“. Ich erwarte also durchaus Widerspruch – auch von den im Allgemeinen wohlwollenden Lesern meines blogs….

Inzwischen – nach zwei Tagen Wahlanalysen – habe ich unzählige Male von Politikern und Journalisten gehört, dass wir endlich „die Menschen“ ernst nehmen und deren Bedürfnisse berücksichtigen sollten, die ihren Protest zu einem großen Teil durch Wahl der AfD ausgedrückt haben.
Das hört sich erstmal unmittelbar einleuchtend an. Nur: wer sind „die Menschen“? Und – noch wichtiger: Will ich überhaupt, dass man auf deren Meinungen und Forderungen eingeht? Will ich überhaupt in so einem Land leben, das sich stärker als bisher nach den Wünschen dieser Menschen ausrichtet?

Wenn man das noch etwas weiterdenkt, könnte man sogar die – sicher bedenkliche – Formulierung wagen: War ich nicht vielleicht eigentlich ganz froh, dass „diese Menschen“ bisher kein Sprachrohr für sich hatten und deshalb eher zur Gruppe der Nichtwähler gehörten?
Darf man sowas denken – oder gar sagen?

Spätestens jetzt müsste man langsam mal definieren, welche Menschen man denn damit meinen könnte. Ich habe bestimmte Bilder im Kopf: Pegida-Demonstranten; laut über die „Lügenpresse“ Schimpfende; interviewte AfD-Wähler, die völlig undifferenziert und uninformiert gegen alle Vertreter des Staates wettern, usw. Jeder kennt diese Bilder: Unsympathische, offenbar ungebildete und extrem wütende Menschen, die ihre Identität ziehen aus ihrer Ablehnung von allem irgendwie „Etablierten“.
Diese Menschen und diese Meinungen wollen jetzt alle mehr vertreten?!

Bevor man mir Überheblichkeit und soziale Blindheit vorwirft: Ich habe großes Verständnis für Menschen, die es skandalös finden, wie weit die Schere zwischen Arm und Reich inzwischen auseinanderklafft. Ich denke auch, dass die Interessen der wirtschaftlich Mächtigen eine zu große Rolle spielen und die Verstrickungen zwischen Wirtschaft und Politik in einigen Bereichen bedenkliche Ausmaße hat. Alles richtig!

Aber muss ich deshalb jede Niveaulosigkeit, jedes dumpfe Nachplappern von irgendwelchen hirnlosen Parolen jetzt als ernstzunehmende politische Meinungsäußerung bewerten? Müssen Parteien bestimmte Positionen nur deshalb übernehmen, weil es eine „Stimmungstendenz“ in diese Richtung gibt? Bedeutet repräsentative Demokratie wirklich, dass man jede Verirrung und Verwirrung aufgreifen muss? Manche Meinungsäußerungen sind einfach dummes Zeug oder auch brandgefährlich!

Man wird einwenden: „Man muss es vielleicht in dem Moment tun, wo es eine neue Partei gibt, die diese Menschen einfängt.“

Ich denke aber: Man kann und sollte sich natürlich um die Bürger und Wähler bemühen, die man mit Argumenten und guter Politik überzeugen kann. Aber ansonsten kann man sich auch dadurch profilieren, dass man sich vor einer bestimmten Gruppe auch klar abgrenzt! Ich würde mir ab und zu ein klares Bekenntnis dazu wünschen, dass man als Partei oder Politiker bestimmte Menschen bzw. ihre (oft menschenverachtenden) Haltungen gar nicht vertreten will! Die sollen dann wählen, was sie wollen – sie sollen aber die nächsten Jahre nicht mit dem erhebenden Gefühl herumlaufen, dass sich alle so sehr um sie bemühen….

Oder liege ich da ganz falsch?

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