G 20 und die Folgen

Ja, die Welt ist ungerecht. Ja, die meisten der in Hamburg versammelten Führer der wirtschaftlich mächtigsten Nationen und Institutionen sind von egoistischen und nationalen Interessen bestimmt und haben nicht das Wohlergehen der gesamten Menschheit im Sinn. Ja, die momentane Weltwirtschaftsordnung trägt weiter dazu bei, dass sich der Reichtum konzentriert und Klima und Umwelt leiden.
Es ist daher ohne Zweifel legitim, durch Proteste und Aktionen darauf aufmerksam zu machen, dass man sich dringend eine andere Prioritätensetzung wünscht.

Würde sich die internationale Politik eher in die gewünschte Richtung bewegen, wenn solche Gipfeltreffen unterblieben?
Ich glaube das nicht. Selbst diese – total aufgeblähten – Mammutveranstaltungen bieten eine gewisse Chance der Einflussnahme bzw. der positiven Entwicklung. Die liegt meiner Hoffnung nach einmal in den persönlichen Begegnungen zwischen den Staatschefs und ihren Mitarbeitern. Ich bin davon überzeugt, dass es selbst auf dieser Ebene sozialpsychologische und kommunikative Prozesse gibt, die Denk- und Meinungsblockaden lockern und Perspektiven erweitern können. Begegnungen zwischen Menschen machen Dynamiken möglich, die ohne solche Gelegenheiten unterblieben.
Der zweite Hoffnungsträger ist die internationale Öffentlichkeit, die bei solchen Anlässen auch auf die Autokraten gerichtet ist, die sich in ihrem eigenen Machtbereich gegenüber solchen Einflüssen abschotten können.
Es mögen ja angesichts der dramatischen Menschheitsprobleme nur Nuancen sein, in denen sich Positionen verschieben lassen – aber vermutlich haben diese Nuancen manchmal konkrete Auswirkungen für konkrete Menschen.
Schon aus Mangel an Alternativen darf das nicht ungenutzt bleiben!

Und die Gewalt bei den Protesten? Ist die nicht angesichts der menschenverachtenden Politik vieler Regierungen nicht mehr als verständlich oder sogar angemessen?
Nein, ist sie nicht!
Wer ernsthaft glaubt, dass durch eine größere Militanz von Protesten entweder die Entscheidung der Mächtigen oder das Bewusstsein der Massen in die gewünschte Richtung beeinflusst werden kann, ist naiv oder verbohrt.
Man kann das testen: Jeder könnte mal im Bekanntenkreis herumfragen, ob brennende Autos in ganz normalen bürgerlichen Wohngegenden den persönlichen Einsatz für die Grundfragen der Menschheit erhöhen können.
Es ist absolut skandalös, dass sich die offiziellen Veranstalter der Demos aus dem links-radikalen Spektrum nicht von den Gewalttätern distanzieren und stattdessen nur die allgemein Solidarität gegen die allein schuldige Polizeigewalt zelebrieren.
Mir kann keiner glaubhaft machen, dass die Motivation für die Verwüstung ganzer Straßenzüge in dem Mitgefühl für die notleidenden Menschen oder die zerstörte Natur liegt. Ich traue tatsächlich dem ein oder anderen Staatsführer mehr ehrliches Streben nach positiver Weltgestaltung zu als dem Autonomen Block.

Oder mit Humor: http://www.der-postillon.com/2017/07/g20-twingo.html

3 Antworten auf „G 20 und die Folgen“

  1. Du hast mir aus der Seele gesprochen. Für friedliche Demonstrationen hat jeder Demokrat Verständnis, für blinde Zerstörungswut gilt null Toleranz .

  2. Ich kann mich Deinen Ausführungen nur anschließen.
    Als ein Mensch, der grundsätzlich und aus tiefster Überzeugung an ein friedvolles Miteinander glaube und von Herzen nach einem zugewandten und achtsamen Leben strebe, lehne ich jegliche Form der gewaltsamen Auseinandersetzung ab!
    Diese schlimmen Eskalationen werden dazu führen,dass weitere demokratischen Grundrechte beschnitten werden und die extreme Rechte weiter nach „Recht und Ordnung“ schreien wird.

  3. Erschreckend für mich ist, dass sich bei solchen Anlässen mein ungutes Gefühl bestätigt, dass Hass und Gewalt im Wertekanon der Gesellschaft immer mehr Anhänger findet. Hoffen kann ich nur, dass diese, in solchen Tagen und Ereignissen offenkundige Gewalt und gehirnkranke Logik der Veranstalter (Entschuldigung, ich bin auch wütend) dazu führt, dass Menschen lauter und deutlicher werden, die ein sozialeres, lösungsorientierteres und verantwortlicheres Werte- und Lebenskonzept haben.

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